Übernahme geplatzt BMW wird Rover nicht los

Die Verhandlungen von BMW mit Alchemy sind überraschend geplatzt. Nun steht es wieder in den Sternen, was mit Rover geschehen soll.


Wer will Rover jetzt noch haben?
REUTERS

Wer will Rover jetzt noch haben?

London/München - Am frühen Freitagnachmittag erklärte Alchemy die Gespräche mit BMW für gescheitert. Nach Auffassung des britischen Gewerkschaftsführers Tony Woodley wollte keine der beiden Parteien die Abfindungen für die zu entlassenden Rover-Mitarbeiter bezahlen.

BMW und Alchemy sprachen seit Mitte März über Rover, ein Abschluss war ursprünglich noch für diese Woche erwartet worden. Der Rückzug von Alchemy aus den Verhandlungen kam offenbar auch für BMW überraschend. Der Konzern benötigte zwei Stunden, um nach der Alchemy-Mitteilung mit eigenen Informationen an die Öffentlichkeit zu gehen.

In der BMW-Erklärung hieß es dann, Rover würde verkauft oder ganz geschlossen. Diese Entscheidung würde binnen Monatsfrist von der BMW-Führung getroffen. Nach Analystenmeinung mehren sich die Anzeichen für eine Schließung von Rover, da kein überzeugendes Kaufangebot mehr vorliege.

Ein BMW-Sprecher sagte dagegen, sein Konzern werde jetzt die Gespräche mit dem Phoenix-Konsortium intensivieren. Die Investorengruppe um den ehemaligen Rover-Chef John Towers wird von der britischen Regierung und den Gewerkschaften unterstützt. BMW räumt Phoenix und möglichen anderen Bietern jedoch nur eine Frist von einem Monat ein, um ein Angebot vorzulegen.

In verhandlungsnahen Kreisen in London hieß es, BMW stehe der Phoenix-Offerte immer noch sehr skeptisch gegenüber. Nächste Woche werde sich entscheiden, ob Phoenix ausreichend Kapital beibringen könne. BMW hatte noch am Donnerstag erklärt, das Angebot sei keine Basis für Verhandlungen. Phoenix habe die finanzielle Absicherung des Angebots noch nicht nachgewiesen.

In Rovers größter Fabrik Longbridge bei Birmingham wurde die Nachricht von Alchemys Rückzug mit Jubel aufgenommen. "Ich schwebe im siebten Himmel. Das ist die Nachricht, auf die wir alle gewartet haben, sagte Betriebsrat Ian Robinson, der noch am Tag zuvor in München demonstriert hatte. Er und andere Gewerkschaftssprecher äußerten die Hoffnung, dass BMW jetzt ernsthaft mit Phoenix verhandeln werde. Die Stimmung wurde allerdings von der Nachricht getrübt, BMW könnte Rover möglicherweise ganz schließen.

Eine weitere Möglichkeit, doch noch einen Interessenten für Rover zu finden, kann nach Analystenmeinung die "Dreingabe von BMW-Anteilen" zu der Kröte Rover sein. Damit würden auch wieder Spekulationen über einen Anteilsverkauf durch die Familie Quandt, die sich am Freitag völlig bedeckt hielt, genährt.



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