Übernahme gescheitert Deutsche Börse verzichtet auf LSE

Die Deutsche Börse AG hat ihr Übernahmeangebot für die London Stock Exchange überraschend zurückgezogen. Damit ist Börsen-Chef Werner Seifert bereits das zweite Mal daran gescheitert, die britische Börse zu übernehmen.

London/Frankfurt - Die Entscheidung zum Rückzug des Angebots sei getroffen worden, nachdem das Board der London Stock Exchange keine Empfehlung für die Offerte im Volumen von rund zwei Milliarden Euro ausgesprochen habe, teilte die Deutsche Börse am Sonntagabend in einer Pflichtmitteilung mit. Sie hatte Ende Januar ein Angebot von mindestens 530 Pence je LSE-Aktie unterbreitet, die Offerte jedoch an die uneingeschränkte und unbedingte Empfehlung des LSE-Boards gebunden. Die LSE-Führung hatte die Offerte bereits als zu gering zurückgewiesen.

"Wir sind weiterhin der Auffassung, dass Aktionäre, Emittenten, Investoren und Intermediäre von der Konsolidierung der europäischen Börsenlandschaft, wie von uns vorgeschlagen, profitieren würden", sagte der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Börse, Werner Seifert. Jedoch sehe sich die London Stock Exchange nicht in der Lage, "eine Transaktion zu einem Preis zu empfehlen, den wir als akzeptabel Ansehen". Man nehme auch zur Kenntnis, dass ein wesentlicher Teil der eigenen Aktionäre "auf eine kurzfristige Auskehrung von Barmitteln fokussiert ist", sagte Seifert.

Der Vorstand behalte sich jedoch das Recht vor, ein Angebot für den Fall zu unterbreiten, dass Euronext oder eine andere dritte Partei ein Angebot für die London Stock Exchange veröffentliche, teilte die Deutsche Börse weiter mit. Die Vierländerbörse Euronext - bestehend aus den Börsen in Paris, Amsterdam, Brüssel und Lissabon - hatte ihren Frankfurter Konkurrenten mit einem eigenen Angebot für LSE provoziert und ein Bietergefecht angedroht.

Erst Ende Februar hatte sich der Kreis der Widerständler gegen die Börsenfusion um die große US-Fondsgesellschaft Fidelity erweitert, die etwa 4,5 Prozent an der Deutschen Börse hält. Zuvor hatten bereits die britische Investmentgesellschaft TCI Management und die amerikanische Atticus Capital - ebenfalls an der Deutschen Börse beteiligt - Kritik an dem Übernahmeangebot von 530 Pence je LSE-Aktie geübt. TCI hatte unter anderem kritisiert, mit einem solchen Deal werde massiv Wert zerstört. TCI-Manager Christopher Hohn sagte zudem: "Ein Vorstand, der ein Imperium errichten will, ist nicht gut für Aktionäre."

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.