Übernahme Lufthansa will Swiss bis zum Winter verdauen

Die Lufthansa drückt bei der Übernahme der Swiss aufs Tempo. Die Deutschen wollen nicht abwarten, bis die angeschlagene Schweizer Fluggesellschaft schwarze Zahlen schreibt.


Leitwerke der Lufthansa und der Swiss: Auf einmal soll gehen, was 2003 noch unmöglich war
REUTERS

Leitwerke der Lufthansa und der Swiss: Auf einmal soll gehen, was 2003 noch unmöglich war

Frankfurt am Main - Zum Winterflugplan 2005/2006 solle Swiss in den Flugplan von Lufthansa voll integriert sein, sagte Lufthansa-Sprecher Klaus Walther am Montag. Anders als beim ersten - schließlich abgebrochenen - Übernahmeversucht verlange die Lufthansa keine Kapitalspritze von den Großaktionären der Swiss, meldet die Nachrichtenagentur Reuters unter Berufung auf verhandlungsnahe Kreise.

An der Swiss sind unter anderem die Schweizer Regierung und mehrere Großbanken beteiligt. Zusammen halten sie 86 Prozent der Anteile. Die Lufthansa will für die Anteile nur einen symbolischen Preis zahlen. Von Seiten der Schweizer Regierung, die allein 20 Prozent an Swiss hält, und den Großaktionären werden kaum Einwände dagegen erwartet. Sie wurden am Montag über das Konzept informiert.

Die seit Jahren defizitäre Swiss rechnet 2005 allenfalls mit einem ausgeglichenen Betriebsergebnis, hat aber weitere Einsparungen angekündigt. Bisher galt als Voraussetzung für einen Einstieg der Lufthansa, dass die Swiss vorher ihre Bilanz in Ordnung bringt. Die Swiss-Piloten hatten in den vergangenen Wochen Arbeitskampfmaßnahmen gegen die aktuellen Sparpläne angedroht.

Analysten loben

Mit einer Entscheidung über die Übernahme wird bereits in der nächsten Sitzung des Lufthansa-Aufsichtsrats am 22. März gerechnet. Die Übernahme muss von der EU-Kommission genehmigt werden.

Analysten begrüßen den Zusammenschluss. Lufthansa könne von vielen Swiss-Langstreckenverbindungen profitieren. Die Swiss müsse aber noch Kapazität abbauen. Die Risiken für Lufthansa lägen in der noch offenen Sanierung und dem möglicherweise noch ausstehenden Kapitalbedarf. Uwe Weinreich von HVB sagte, es wäre besser, wenn Lufthansa die Regierung und die Banken nicht sofort aus der Pflicht entlassen würde.

Aufatmen in Zürich-Kloten

Die drittgrößte europäische Fluglinie hatte bereits 2003 versucht, sich Swiss einzuverleiben. Erste Überlegungen dazu hatte es schon in den neunziger Jahren gegeben, vor der Pleite der Swissair. Mit dem vorliegenden Plan kommt Lufthansa der Schweizer Seite entgegen und nimmt nach Ansicht von Experten Rücksicht auf den großen Stellenwert, die die Fluglinie in der Schweizer Öffentlichkeit hat.

Zwar will Lufthansa die Swiss vollständig kontrollieren, hat den Schweizern aber den Erhalt der Marke und einen weitestgehend eigenständigen Flugbetrieb zugesichert. Der Flughafen Zürich soll Basis von Swiss für Interkontinentalflüge bleiben.

Von Air France gelernt

Für eine Übergangszeit soll Swiss laut Reuters unter einer Zwischenholding angesiedelt werden, um ihre Verkehrsrechte zwischen dem Heimatland Schweiz und den Zielflughäfen nicht zu gefährden. Die Mehrheit an der Holding soll zunächst in Schweizer Hand bleiben. Ein ähnliches Modell hatten auch die Fluggesellschaften Air France und KLM für ihren Zusammenschluss gewählt. Beim sofortigen Übergang der Kontrolle auf die Lufthansa würden nach den internationalen Verkehrsregelungen die Start- und Landerechte der Schweizer Fluglinie verloren gehen.

Die Kleinaktionäre, deren 7,35 Millionen Aktien 14 Prozent der Swiss ausmachen, sollen den gesetzlich vorgeschriebenen Preis erhalten, der sich aus dem Aktienkurs der 30 Tage vor Anmeldung der offiziellen Anmeldung der Transaktion errechnet. Zum aktuellen Kurs müsste Lufthansa ihnen rund 80 Millionen Franken (gut 50 Millionen Euro) zahlen. Am Montag legte die Swiss-Aktie nach den Kursgewinnen der vergangenen Woche um 5,7 Prozent auf elf Schweizer Franken zu. Für die kommenden Tage wird mit weiteren Steigerungen gerechnet. Die Lufthansa-Aktie verbesserte sich am Montag nur um 1,25 Prozent auf 11,30 Euro.



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