Übernahme von Krisenbank Finanzinvestor Lone Star kauft IKB

Durchbruch beim Verkauf der Krisenbank: Die KfW hat sich auf den Verkauf der IKB geeinigt und den neuen Eigner offiziell benannt. Den Zuschlag erhält der US-Finanzinvestor Lone Star - für Finanzinsider eine Überraschung.


Berlin - Der Verkauf der Deutschen Industriebank (IKB) ist perfekt: Die US-Beteiligungsgesellschaft Lone Star übernimmt 90,8 Prozent der angeschlagenen Mittelstandsbank. Das teilte die bisherige Mehrheitseignerin KfW in einer Einladung zur Pressekonferenz mit und bestätigte damit Informationen vom Vorabend.

IKB-Bank in Düsseldorf: "Nie ein Ruhmesblatt in der Bankengeschichte"
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IKB-Bank in Düsseldorf: "Nie ein Ruhmesblatt in der Bankengeschichte"

Der Verkauf an Lone Star gilt als Überraschung, zumal auch die Beteiligungsgesellschaft RHJ International (RHJI), die zur US- Gesellschaft Ripplewood gehört, als potentielle Käuferin im Gespräch war. Im Bieterstreit schien sich zuletzt eine Präferenz für RHJI herauszukristallisieren. Lone Star ist Insidern zufolge für hartes Durchgreifen bekannt und dürfte demnach versuchen, die IKB gesund zu schrumpfen.

Die staatliche Förderbank verhandelte seit Monaten mit Interessenten über einen Verkauf ihres Anteils. Ursprünglich hatten Insider mit einer Entscheidung im September gerechnet - doch dann beschleunigte der Präsidialausschuss des KfW-Verwaltungsrates den Prozess. Der sechsköpfige Ausschuss war unter anderem deshalb gegründet worden. Ihm gehören unter anderen Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) als KfW-Verwaltungsratsvorsitzender und Finanzminister Peer Steinbrück (SPD) an.

Der Ausschuss war gestern zu einer mehrstündigen Sitzung zusammengetreten. Bereits am Mittwochabend sagte ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums, man unterstütze den Vorschlag des KfW-Vorstandes einstimmig. Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) bestätigte, dass die Einigung auf einen Käufer erfolgt sei. "Unter den Umständen, mit denen wir zu kämpfen hatten, ist es gut gelaufen. Das Ganze wird nie als Ruhmesblatt in die Bankengeschichte eingehen", fügte er nach Angaben der Nachrichtenagentur Dow Jones Newswires hinzu.

Das einst als grundsolide geltende Düsseldorfer Geldinstitut IKB konnte nach Fehlspekulationen mit zweitklassigen US-Hypothekenkrediten nur mit mehreren milliardenschweren Rettungspaketen von KfW, Bund und Banken vor dem Zusammenbruch bewahrt werden. Die KfW will ihren Anteil, zusammen mit dem des zweitgrößten Aktionärs, der Stiftung Industrieforschung, nun schnellstmöglich loswerden.

Um potentiellen Kaufinteressenten entgegenzukommen, hat die KfW laut "Financial Times Deutschland" signalisiert, im Notfall zahlreiche riskante Wertpapiere zu übernehmen. Die KfW-Sprecherin bestätigte die Bereitschaft, wollte sich aber nicht zu Details äußern. Über einen getrennten Verkauf von Mittelstandsbank und Wertpapieren war in den vergangenen Monaten schon häufiger spekuliert worden.

Die bundeseigene KfW hat bereits einen Großteil des Rettungspakets von mehr als acht Milliarden Euro geschultert und ist dadurch im vergangenen Jahr tief in die roten Zahlen gerutscht. Auch die zum Überleben der Bank notwendige Kapitalerhöhung von 1,5 Milliarden Euro, die noch unter dem Vorbehalt der Zustimmung der EU-Kommission steht, wird fast ausschließlich von der staatseigenen Großaktionärin getragen. Sie hatte sich verpflichtet, mindestens Aktien im Wert von über knapp 1,25 Milliarden Euro zu zeichnen.

Bei der Vorstellung des Jahresabschlusses 2007/2008 Anfang Juli hatte die IKB erklärt, sie habe noch 4,4 Milliarden Euro teils riskante Papiere in der Bilanz. Veräußert hatte die Bank bis dahin nach eigenen Angaben Papiere im Wert von mehr als 450 Millionen Euro.

ssu/AP/dpa/ddp/Dow Jones/Reuters



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