Übernahmepläne US-Politiker machen Front gegen Riesen-Brauereifusion

"Bud ist nicht für Sie da!": Eine mögliche Übernahme des US-Bierriesen Anheuser-Busch durch die belgische Großbrauerei InBev wird in den USA zur Frage der Nation. Amerikanische Politiker lehnen eine Fusion strikt ab - sie rechnen mit den Niedergang eines US-Symbols.


Washington - In den USA machen sich Parlamentarier gegen die Übernahme des traditionsreichen Brauereikonzerns Anheuser-Busch durch den belgischen Konkurrenten InBev stark. InBev bietet 46,3 Milliarden Dollar für das US-Unternehmen und bemüht sich um eine freundliche Übernahme.

Anheuser-Busch-Produkt Budweiser: Angst vor Arbeitsplatzverlusten
AFP

Anheuser-Busch-Produkt Budweiser: Angst vor Arbeitsplatzverlusten

Nach einem Treffen mit InBev-Chef Carlos Brito erklärte der republikanische Senator Christopher Bond: "Mein Wahlkreis Missouri sagte: Bud ist nicht für Sie da!" Bond befürchtet Arbeitsplatzverluste und den Niedergang eines amerikanischen Symbols. Ihn überzeugte offenbar die Ankündigung von InBev-Chef Brito nicht, er wolle St. Louis als Heimat von Budweiser, dem "König des Biers", erhalten. St. Louis habe schlechte Erfahrungen mit solchen Versprechen, die sich später als Verlust von Jobs herausstellten, sagte Bond dazu.

Missouris demokratische Senatorin Claire McCaskill forderte das Anheuser-Direktorium in einem Brief auf, die Übernahme abzulehnen. Sie sollten daran denken, was der Konzern für Missouri und die USA bedeute.

Aus der US-Brauerei selbst ist ebenfalls eine ablehnende Haltung gegenüber einer Übernahme durch InBev zu vernehmen. Anheuser befindet sich derzeit nach Informationen des "Wall Street Journal" in Übernahmegesprächen mit der mexikanischen Brauerei Grupo Modelo, Hersteller unter anderem der Biermarke Corona. Dies wird als Versuch gewertet, für eine Übernahme durch InBev unattraktiv zu werden. InBev warnte die Anheuser-Führung denn auch vor einem Zukauf in Mexiko: Wenn der US-Biergigant, der ohnehin schon 50 Prozent an Grupo Modelo halte, die restlichen Anteile erwerbe, sei InBev möglicherweise nicht mehr bereit, einen so hohen Preis für die Amerikaner zu zahlen, schrieb Brito an Anheuser-Busch-Chef August Busch.

Bereits nach Bekanntwerden des Übernahmeangebots reagierten US-Politiker ablehnend: So stellte der republikanische Gouverneur von Missouri, Matt Blunt, klar: "Ich bin entschieden gegen den Verkauf von Anheuser-Busch." Er sei über das Angebot von InBev "zutiefst beunruhigt" und habe bereits beim Ministerium für Wirtschaftsentwicklung in Missouri angefragt, ob es Wege gebe, den Deal zu stoppen.

Die Anheuser-Busch-Aktionäre sollten angesichts der gefährdeten Arbeitsplätze nicht dem Geld den Vorzug geben, forderte der frühere Stabschef von Blunt, Ed Martin, auf einer eigens gegründeten Webseite namens "SaveAB.com". "Ein Ausverkauf an die Belgier ist es nicht wert, denn es geht hier um mehr als Bier - es geht um unsere Jobs und unsere Nation", heißt es dort.

InBev hat inzwischen Beratungsfirmen engagiert, um bei US-Politikern für die Übernahme zu werben. Da InBev, der Hersteller von Beck's und Stella Artois, in den USA kaum vertreten ist, dürften die Kartellbehörden eine Übernahme kaum ablehnen. Der Kongress hat keine Macht, eine solche Übernahme zu verhindern.

Der gemeinsame Weltmarktanteil der beiden Brauriesen wird auf 25 Prozent geschätzt. In einzelnen Märkten ist es noch deutlich mehr: In seinem Heimatmarkt USA stellt Anheuser-Busch fast jedes zweite Bier her. Bei einem Zusammenschluss mit InBev hätte die neue Braugruppe Experten zufolge mehr als 50 Prozent des nord- und südamerikanischen Marktes.

kaz/Reuters/AP



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