Übernahmeplan Ryanair zieht in Brüssel den Kürzeren

Der irische Billigfluglinie Ryanair wollte zügig wachsen, indem sie ein Übernahmeangebot für die ebenfalls irische Fluggesellschaft Aer Lingus machte. Doch die stufte die Offerte als feindlich ein. Am Ende äußerte auch die EU-Kommission Bedenken. Ryanair gibt nun auf - vorerst.


Dublin - Der irische Billigflieger Ryanair Chart zeigen hat heute sein feindliches Übernahmeangebot für den Konkurrenten Aer Lingus nach Kritik seitens der EU zurückgezogen. Wegen schwerer Wettbewerbsbedenken leitete die EU-Kommission gestern in Brüssel eine strenge Überprüfung ein, die bis zum 11. Mai 2007 dauern kann. Die EU-Wettbewerbshüter befürchten eingeschränkte Wahlmöglichkeiten für Flugpassagiere und höhere Ticketpreise.

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Ryanair würde nur ein neues Gebot unterbreiten, wenn die EU-Kommission die Übernahme genehmige, teilte die Fluggesellschaft heute in Dublin mit. Ryanair sei weiterhin an einem Kauf von Aer Lingus interessiert. Man werde nun den Ausgang der Überprüfung abwarten. Ryanair-Chef Michael O'Leary sagte jedoch nicht, ob das bisherige Angebot in Höhe von 2,80 Euro pro Aktie erhöht würde. O'Leary beschuldigte die Kommission, eine gewisse Voreingenommenheit gegenüber der Fluglinie zu haben. Dagegen habe die Kommission den Zusammengang von Air France Chart zeigen und KLM genehmigt.

Mit der Übernahme würden die beiden wichtigsten Fluglinien fusionieren, die von Irland aus tätig sind, berichtete die Kommission. "Dadurch käme es bei zahlreichen europäischen Flugrouten zu einer beträchtlichen Überschneidung." Ryanair bot der Kommission Ende November ein Bündel von Konzessionen an, die sich dann aber als unzureichend erwiesen. Ryanair besserte sein Angebot noch einmal deutlich nach.

Das Gebot von Ryanair wird nach früheren Angaben von Aer Lingus als feindlich eingestuft. Piloten versuchten, die Übernahme ihres Arbeitgebers abzuwehren. Sie halten früheren Angaben zufolge mehr als zwei Prozent der Aer-Lingus-Aktien. Die übrigen Mitarbeiter besitzen rund zwölf Prozent. Etwa 28 Prozent an Aer Lingus gehören noch dem irischen Staat, der einen Verkauf seiner Anteile an Ryanair ebenfalls ablehnt.

Mit der Übernahme von Aer Lingus würde die Billigairline Ryanair, die bislang nur Flugziele in Europa und Marokko ansteuert, erstmals in den Transatlantikverkehr einsteigen. Aer Lingus fliegt neun Ziele in den USA an. Zusammen würden beide Linien rund 50 Millionen Passagiere im Jahr befördern. Aer Lingus befördert auf seinen 78 Routen jährlich etwa 15 Millionen Passagiere. Ryanair hat auf seinen 419 Routen etwa 35 Millionen Fluggäste im Jahr.

kaz/dpa-AFX/AFP



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