Übertriebene Kundenzahlen Premiere-Spitze kämpft mit Vertrauensverlust

Nach dem Eingeständnis künstlich aufgeblähter Abonnentenzahlen gerät die Premiere-Spitze weiter unter Druck: Einem Bericht zufolge zweifeln die Anteilseigner an der Kompetenz von Aufsichtsratschef Grosskopf. Die Aktien des Bezahlsenders brachen erneut ein.


Düsseldorf - Um fast eine Million hat der Pay-TV-Sender Premiere seine Abo-Zahlen künstlich hochgerechnet - jetzt kämpft die Konzernspitze mit einem massiven Vertrauensverlust. In den Reihen der Anteilseigner werde bezweifelt, dass der Aufsichtsratsvorsitzende Rainer Grosskopf seine Kontrollpflichten ausreichend erfüllt habe, berichtet das "Handelsblatt" aus Branchenkreisen.

Premiere-Logo: "Im Grunde steht jeder unter Verdacht"
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Premiere-Logo: "Im Grunde steht jeder unter Verdacht"

Auch im Vorstand könne es nach dem Rücktritt von Finanzvorstand Alexander Teschner weitere Konsequenzen geben: "Im Grunde steht jeder unter Verdacht, der schon länger dabei ist", hieß es. Im Umfeld des Münchener Unternehmens wird dem Blatt zufolge zudem mit möglichen Klagen von Kleinanlegern gerechnet.

Das Vertrauen ist einem Börsianer zufolge gänzlich verloren und dürfte gemeinsam mit möglichen Schadenersatzforderungen die Aktie weiter belasten. Auf einen möglichen Squeeze-out zu setzen könne also teuer werden, so der Händler mit Blick auf einen Bericht der "Euro am Sonntag", wonach auch ein Rückzug von der Börse erwogen wird.

Die Aktien von Premiere brachen am Montag erneut ein und verloren mehr als zehn Prozent ihres Wertes. Bis 10.50 Uhr fiel die Aktie um 13,70 Prozent auf 3,97 Euro. Mit 3,56 Euro im Tief blieb der Titel nur knapp über dem am Freitag markierten Rekordtief von 3,55 Euro. Der MDAX verlor zuletzt 5,66 Prozent auf 6.333,54 Punkte.

Premiere hatte am Donnerstagabend die eigenen Angaben zur Kundenzahl um rund ein Fünftel gesenkt. Von den bisher genannten fast 4,5 Millionen Kunden hätten 940.000 ihre Abonnements nie aktiviert, oder die Verträge seien ausgelaufen, hieß es zur Begründung. Zudem wurde ein operativer Verlust angekündigt.

Nach Steuern, Zinsen und Abschreibungen sei mit einem Minus von 40 bis 70 Millionen Euro zu rechnen, hieß es. Bei der Prognose nicht berücksichtigt seien allerdings mögliche positive Einmaleffekte aus dem weiteren Verkauf von Free-TV-Übertragungsrechten an der Fußballweltmeisterschaft 2010.

amz/dpa



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