Überwachungsskandal Telekom will Zugriff auf Kundendaten beschränken

Telekom-Chef Obermann ist besorgt um das Vertrauen der Kunden. Nun kündigte er entsprechende Konsequenzen aus der Spitzelaffäre an: Künftig soll der interne Zugriff auf Kundendaten eingeschränkt werden.


Berlin - Nach dem Überwachungsskandal soll es grundsätzliche Veränderungen bei der Telekom geben. Konzernchef René Obermann kündigte an, dass der Zugriff auf Informationen über Kunden künftig beschränkt werden soll. "Wir werden unsere Mitarbeiter schulen und die Zugriffsberechtigungen auf die Daten begrenzen", sagte er der "Zeit". Der Service werde nicht darunter leiden.

"Wir tun alles, um die höchstmögliche Sicherheit unserer Kundendaten zu gewährleisten," versprach der Manager des angeschlagenen Konzerns in dem Interview. Dazu würden die Sicherheitskonzepte der Telekom "regelmäßig fortentwickelt, überprüft und mit den zuständigen Aufsichtsbehörden abgestimmt", sagte er weiter.

Obermann sicherte in dem Interview erneut zu, alles zu tun, "um zu klären, was in diesem Fall wirklich passiert ist, damit wir das Vertrauen unserer Kunden wieder stärken können".

Zuvor hatte er bereits auf einer Mitarbeiterversammlung seine Entschlossenheit zur Aufklärung der Affäre ohne Ansehen von Rang und Person bekräftigt. Der Manager betonte, er sei "richtig sauer" über die Vorgänge, denn dadurch würden die bislang erzielten Erfolge bei der Neuausrichtung des Konzerns konterkariert.

Er appellierte an die Mitarbeiter, alles zu tun, um das Vertrauen der Öffentlichkeit zurückzugewinnen. "Am Ende ist die ganze Firma gefährdet, wenn wir den Sachverhalt nicht konsequent aufarbeiten und Konsequenzen ziehen. Wir brauchen das Vertrauen der Kunden."

Die Telekommunikationsbranche zeigt sich demütig - sie will sich für mehr Kontrollen durch den Bundesdatenschutzbeauftragten öffnen. "Wir wollen damit zeigen, dass wir in der Branche nichts zu verbergen haben", sagte der Geschäftsführer des Branchenverbandes Bitkom, Bernhard Rohleder, im Deutschlandradio Kultur. Branchenvertreter hatten am Montag mit dem Bundesinnenministerium über mögliche Konsequenzen aus der Bespitzelungsaffäre gesprochen.

Die Kunden dagegen reagieren relativ gelassen auf den Skandal. "Bei den Kundenzahlen sind keine Rückgänge zu verzeichnen", sagte Vorstandsmitglied Timotheus Höttges auf der Mitarbeiterversammlung am Dienstag in Bonn. Im Gegenteil, vor allem die Nachfrage nach den DSL-Angeboten des Konzerns sei in den letzten Wochen gut gewesen. Allerdings werde in den Call-Centern eine zunehmende Verunsicherung der Kunden spürbar.

ler/AFP



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