Uganda Menschenrechtler prangern deutschen Kaffeehändler an

Schwere Vorwürfe gegen eine der größten Kaffeefirmen der Welt: Die Neumann-Gruppe aus Hamburg soll Hunderte Menschen in Uganda vertrieben haben, um eine Plantage aufzubauen. Menschenrechtler legen jetzt Beschwerde beim Wirtschaftsministerium ein.


Köln - Es geht um das Schicksal von 400 ugandischen Kleinbauernfamilien: Menschenrechtler der Organisation FIAN werfen der Hamburger Neumann Kaffee Gruppe vor, die gewaltsame Vertreibung der Familien im August 2001 toleriert zu haben.

An ihren ehemaligen Wohnstätten befinde sich heute eine Kaffeeplantage - von der der Händler profitiere. Die Mehrheit der Familien könne sich seit der Vertreibung nicht ausreichend ernähren und in vielen Fällen kein Schulgeld für ihre Kinder aufbringen, erklärte Gertrud Falk von FIAN Deutschland am Montag. Diese Verletzung sozialer Menschenrechte habe das Unternehmen, das weltweit zu den größten im Rohkaffeegeschäft gehört, mit zu verantworten.

Der Rohkaffeehändler habe damit eindeutig gegen die Richtlinien der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) verstoßen und verweigere seitdem jegliche Wiedergutmachung, sagte FIAN-Vertreterin Falk.

Die Neumann-Gruppe weist diesen Vorwurf von sich. Das Unternehmen habe sich mehrfach an die ugandische Regierung gewandt und sich für die Ansprüche der Vertriebenen eingesetzt, heißt es in einer Mitteilung von Anfang 2009. Von höchster ugandischer Regierungsebene sei der Gruppe allerdings dargelegt worden, dass Kompensationsregelungen ausschließlich Sache des ugandischen Staates seien und nach ugandischem Recht geregelt würden.

FIAN reicht diese Erklärung nicht aus. Die Organisation hat jetzt Beschwerde beim Bundeswirtschaftsministerium wegen Menschenrechtsverletzungen eingelegt. Beim Wirtschaftsministerium befindet sich die nationale Kontaktstelle der OECD. Deren Verhaltenskodex fordert laut Falk von multinational tätigen Unternehmen verantwortliches Handeln und die Respektierung der Menschenrechte in den jeweiligen Gastländern - also auch in Uganda.

yes/AFP



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