Ukraine Gazprom blockiert westeuropäische Gaslieferungen

Die Ukraine könnte den weitaus größten Teil ihres Erdgases aus Europa beziehen - wenn Gazprom nicht wäre. Der russische Staatskonzern blockiert die Leitungen an der slowakisch-ukrainischen Grenze.

Gasstation in der Slowakei: Politisches Druckmittel
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Gasstation in der Slowakei: Politisches Druckmittel


Der russische Gaskonzern Gazprom behindert die Lieferung westeuropäischen Erdgases in die Ukraine. An einer Verbindungsstelle der Gaspipeline an der slowakisch-ukrainischen Grenze blockiert der russische Staatskonzern den Gasfluss aus dem Westen mit Verweis auf ein Übereinkommen mit der slowakischen Regierung aus dem Jahre 1999. (Diese Meldung stammt aus dem SPIEGEL. Den neuen SPIEGEL finden Sie hier.)

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Heft 7/2015
Strategien gegen den Anlagenotstand

"Ohne diese Blockade könnten wir unsere gesamten Gasimporte aus dem Westen decken und wären unabhängig von russischem Gas", behauptet der Chef des ukrainischen Gasversorgers Naftogas, Andrij Kobolew. Die Abmachung verstoße "gegen die Bestimmungen der Europäischen Energieunion" und müsste durch Brüssel dringend neu geregelt werden. Kobolew verweist auf die geostrategische Bedeutung, die eine Anbindung an das westliche Gasnetz besitzt.

Durch die Richtungsumkehr des Gasflusses zwischen Russland, der Ukraine und Westeuropa werde es gelingen, im Jahre 2015 90 Prozent des Erdgases aus Europa zu beziehen, so Kobolew. Voraussetzung ist allerdings, den Streit mit Gazprom zu klären. Größter Lieferant der Ukraine ist neben dem norwegischen Statoil-Konzern der deutsche Energieriese RWE, der wiederum Gas aus Russland bezieht. Noch im Jahre 2013 stammten 95 Prozent der ukrainischen Gasimporte aus Russland.

Gaspipelines in Europa
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carranza 08.02.2015
1. Letztendlich
kommt das Gas, das Europa in die Ukraine liefern könnte doch aus Russland, bzw. Europa müßte mehr Gas aus Russland importieren, sofern aus eigenen Vorkommen geliefert würde. Und das wissen die Russen doch auch.
angste 08.02.2015
2. Den Vertrag gibts also seit 1999
nie haben die Regeln jemand gestört. Da gibt's eben nur ne Kündigung seitens der Slowakei (oder eben der EU) und nen neuen Vertrag mit neuen Regeln....vielleicht auch anderen Preisen, wenn man das russische Gas weiterverkaufen will. Denn sie Slowakei wird's der Ukraine ja nicht schenken....oder zahlt die EU?
Spartakus 08.02.2015
3. Typisch Ukraine...
die Russen in der Süd-Ost Ukraine bombardieren und...russisches Gas noch günstig von EU kaufen! Schuldig ist aber trotzdem...Russland!
Leser42 08.02.2015
4. Unabhängiger von Russland werden..
ist die einzige Lehre, die man aus dieser Situation ziehen kann. Damit möchte ich mich jedoch auch vom Fracking distanzieren, was meiner Ansicht nach keine Alternative ist. Warum wird nicht einfach Wind- und Solarkraft gefördert?
whitewisent 08.02.2015
5.
Meint nun wirklich jemand immer noch, daß die Entscheidung Deutschland, sich mit der North Stream von solchen Rechtsstreitigkeiten anderer Ländern unabhängig zu machen schlecht war? Das Grundverständnis zeigt hier aber ein anderes Problem. Die Ukraine will sich weiter an den Westen mit seinem kapitalistischem System annähern, zudem aber nunmal das Rechtssystem gehört, gemäß dem Verträge einzuhalten sind. Solange man meint, aus tagespolitischen Erwägungen Verträge zu brechen, scheitert man als langfristiger Partner für die Wirtschaft, welche im Gegensatz zur Politik realistischer Risiken und Chancen einschätzt. Wenn die slowakischen und ungarischen Politiker Gegenwind ihrer Bevölkerung spüren, werden auch die sich wesentlich ökonomischer, und nicht mehr politischer entscheiden.
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