Zur Ausgabe
Artikel 56 / 88
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel

Finanzminister schlägt Alarm Ukraine hat drei Viertel ihrer Wirtschaftsleistung verloren

Das Leben in der Ukraine ist zusammengebrochen – das schlägt sich auch in verheerenden Wirtschaftsdaten nieder. Finanzminister Marchenko warnt nach SPIEGEL-Informationen vor »katastrophalen Auswirkungen«, auch für die EU.
aus DER SPIEGEL 17/2022
Ukrainischer Bauer mit Schutzweste: Wenn die Aussaht gefährdet ist, drohen immense Ernteausfälle

Ukrainischer Bauer mit Schutzweste: Wenn die Aussaht gefährdet ist, drohen immense Ernteausfälle

Foto: Smoliyenko Dmytro / Abaca / picture alliance

Der Krieg in der Ukraine richtet neben allem menschlichen Leid auch kata­strophalen ökonomischen Schaden an. Drei Viertel des Bruttoinlandsprodukts seines Landes seien seit Ausbruch der Kampfhandlungen verloren gegangen, berichtete der ukrainische Finanzminister Sergii Marchenko seinen Kollegen aus der Eurogruppe laut Teilnehmern bei deren Treffen vorvergangene Woche in Luxemburg.

2021 lag die Wirtschaftsleistung der Ukraine bei rund 170 Milliarden Euro (zum Vergleich: In Deutschland war sie etwa 20 Mal so hoch). 64 Prozent der Erwerbstätigen in der Ukraine können nach Darstellung des Finanzministers nicht mehr ihrer Arbeit nachgehen. Die Einnahmen des Staates seien stark gesunken, und die Etatlücke wachse mit jedem Tag, den der Krieg fortdauert.

Dennoch sei es der ukrainischen Regierung gelungen, das Finanzsystem weit­gehend funktionsfähig zu er­halten. Dazu habe nicht zuletzt auch die sogenannte Makro­finanzhilfe der EU in Höhe von 1,2 Milliarden Euro beigetragen. Marchenko bedankte sich bei seinen Kollegen für die Unterstützung und bat um weitere Hilfen für die kommenden Jahre. Der Finanzminister, der per Video zugeschaltet war, warnte die Europäer außerdem vor »katastrophalen Auswirkungen, auch auf die EU«, sollten die ukrainischen Bauern bis Mai nicht ihre Aussaat vornehmen können.

Fast zehn Prozent der weltweiten Getreidelieferungen entfielen auf die Ukraine, sagte Martschenko. Die Angst vor entsprechenden Knappheiten hatte zuletzt bereits zu Hamster­käufen in Deutschland  geführt. Frankreichs Finanzminister Bruno Le Maire, der Vorsitzende des EU-Finanzministerrats, sagte »uneingeschränkte Soli­darität mit der ukrainischen Bevölkerung« zu.

Aus: DER SPIEGEL 17/2022

Die Schatten der Vergangenheit

Bundeskanzler Olaf Scholz wehrt sich im SPIEGEL-Gespräch gegen den Vorwurf, der Ukraine nur halbherzig zu helfen. Doch seine Partei steht vor den Trümmern ihrer Russlandpolitik und verweigert die Aufarbeitung der Fehler im Umgang mit Wladimir Putin.

Lesen Sie unsere Titelgeschichte, weitere Hintergründe und Analysen im digitalen SPIEGEL.

Zur Ausgabe
rei
Zur Ausgabe
Artikel 56 / 88
Vorheriger Artikel
Nächster Artikel
Die Wiedergabe wurde unterbrochen.