Treffen in Genf Koalition der Bosse schmiedet Ukraine-Plan

Es war ein Gipfel der Wirtschaftselite: In Genf trafen sich die Chefs westlicher Konzerne wie Siemens, BASF oder Pepsi mit russischen und ukrainischen Unternehmensführern. Mittendrin: der ehemalige deutsche Minister Philipp Rösler.
Ex-Wirtschaftsminister Rösler (Archivbild): Vermittler zwischen den Managern

Ex-Wirtschaftsminister Rösler (Archivbild): Vermittler zwischen den Managern

Foto: Marc Müller/ dpa

Hamburg - Wenn die Chefs von globalen Großkonzernen wie Siemens oder Pepsi sich mit den Chefs der größten russischen Banken treffen, dann geht es normalerweise ums Geschäft. Ein bisschen mag das Anfang der Woche auch so gewesen sein, im Vordergrund stand dieses Mal jedoch die Politik.

Klaus Schwab, Veranstalter des jährlichen Weltwirtschaftsforums (WEF) in Davos, hatte in sein Privathaus nach Genf geladen - und es kamen gut ein Dutzend hochrangige Wirtschaftsführer aus Deutschland, den USA, Russland und der Ukraine, um über mögliche Lösungen des Ukraine-Konflikts zu sprechen.

Mit dabei waren unter anderen Siemens-Chef Joe Kaeser, BASF-Boss Kurt Bock und Indra Nooyi, Vorstandsvorsitzende des Getränkeriesen Pepsi. Noch interessanter ist aber die Besetzung auf russischer und ukrainischer Seite: So war mit German Gref der Chef der größten Bank Russlands vertreten, an der der Staat die Hälfte der Anteile hält. Auch sein Kollege Andrey Kostin vom zweitgrößten Finanzkonzern VTB war dabei. Gegen beide Unternehmen haben die USA jüngst Sanktionen verhängt.

Die ukrainische Seite war ebenfalls hochrangig besetzt, mit Oligarchen wie Wiktor Pintschuk und Serhij Taruta - Letzterer ist gleichzeitig auch Gouverneur der umkämpften Region Donezk.

Und mittendrin saß der ehemalige deutsche Wirtschaftsminister Philipp Rösler, der mittlerweile für das Weltwirtschaftsforum arbeitet und Schwab unterstützt. "Die Atmosphäre war gut und konstruktiv", sagte Rösler nach dem Treffen SPIEGEL ONLINE. Man habe gegenseitiges Vertrauen aufgebaut.

Heraus kam ein Zehn-Punkte-Plan , dem man anmerkt, dass er vor allem die Lage beruhigen soll. Mehr Dialog fordern die Wirtschaftsführer da und einen Verzicht auf "provokative und kriegerische Sprache". Die gegenseitigen Sanktionen müssten zurückgedreht werden, die Ukraine könne Handelsabkommen sowohl mit der EU also auch mit Russland vereinbaren.

Doch auch über das Wirtschaftliche hinaus haben die Konzernchefs interessante Vorschläge parat: So betonen sie einerseits die Selbstbestimmung und Souveränität der Ukraine und fordern die Einhaltung des Völkerrechts - ein deutlicher Hinweis an Russlands Präsidenten Wladimir Putin.

Gleichzeit schlagen die Konzernchefs jedoch auch vor, die Macht im umkämpften Land zu dezentralisieren und die Ukraine als eine Art osteuropäische Schweiz zu etablieren, also militärisch neutral und bündnisfrei - zumindest wolle man die Politik "ermutigen, darüber nachzudenken". Diese Position steht eher der russischen Seite nahe.

"Über einige Punkte wurde lange diskutiert", sagte Rösler hinterher SPIEGEL ONLINE. Es sei eine "positive Überraschung" gewesen, dass man sich am Ende geeinigt habe. Das Treffen habe "gezeigt, dass beide Seiten offen sind, sich mit den Auffassungen der anderen Seite zu beschäftigen."

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