Ukraine-Konflikt Türkei und Griechenland von russischer Gasversorgung abgeschnitten

Der ukrainisch-russische Gasstreit hat Auswirkungen auf andere europäische Länder: Die Türkei erhält seit der Nacht kein Gas mehr, auch Bulgarien und Griechenland und Mazedonien werden nicht mehr versorgt. In Österreich kommen lediglich zehn Prozent der üblichen Liefermenge an.


Moskau/Kiew - Im Energiestreit zwischen Moskau und Kiew hat die Ukraine die Gaskunden in Westeuropa wegen einer gedrosselten Zufuhr aus Russland vor ernsten Lieferproblemen gewarnt. Es könne kurzfristig zu Engpässen bei der Weiterleitung nach Westeuropa kommen, teilte das Staatsunternehmen Naftogas am Dienstag nach Angaben der Agentur Interfax in Kiew mit.

Ukrainische Gasleitung: Drastische Lieferreduzierung aus Russland
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Ukrainische Gasleitung: Drastische Lieferreduzierung aus Russland

Russland habe die Erdgaslieferungen nach Europa um zwei Drittel gekürzt und pumpe derzeit nur 92 Millionen Kubikmeter statt wie sonst täglich 221 bis 300 Millionen Kubikmeter in ukrainische Transitpipelines. "Das ist alles, was sie liefern", sagte ein Naftogas-Sprecher. "Das bedeutet, dass Europa in einigen Stunden Probleme mit der Gasversorgung haben wird."

Bulgariens Wirtschaftsministerium erklärte, sämtliche russischen Lieferungen über die Ukraine nach Bulgarien, Griechenland, Mazedonien und in die Türkei seien gestoppt worden. In diesen Ländern komme kein russisches Gas mehr an. "Wir sind in einer Krisensituation", hieß es. Der Gasverteiler Bulgargas teilte in Sofia mit, seit Dienstagnacht sei kein Gas mehr aus Russland angekommen. In Bulgarien reichten die Reserven aber noch einige Tage, um den Bedarf der Industrie zu decken.

Der türkische Energieminister Hilmi Güler bestätigte, dass die Gaslieferungen aus Russland gestoppt worden seien. Aus iranischen Diplomatenkreisen war zu hören, Iran erwäge, seine Gaslieferungen an die Türkei zu erhöhen, um die Ausfälle zu kompensieren.

Europa bezieht ein Fünftel seiner Gasversorgung über Leitungen durch die Ukraine. Bislang erhielten außerdem auch Polen und die Slowakei bis zu 30 Prozent weniger russisches Gas aus der Ukraine, in Rumänien ist sogar von einem Rückgang von 75 Prozent die Rede. Auch Ungarn, Serbien und Bosnien fürchten nach Angaben aus Kiew Engpässe.

In Österreich kommen nach Angaben des Energiekonzerns OMV nur noch zehn Prozent der üblichen Menge an russischem Gas an, obwohl Gasprom dem österreichischen Unternehmen angekündigt hatte, die Lieferungen nur um 30 bis 40 Prozent reduzieren zu wollen. OMV müsse nun seine Gasreserven anzapfen. Eine Versorgung des Landes sei aber bei der derzeitigen Wetterlage und der aktuellen Nachfrage gesichert.

In Deutschland sind seit der am Neujahrstag begonnenen Lieferreduzierung bislang keine Rückgänge bekanntgeworden.

Aus Moskau lag zu der von Kiew behaupteten Reduzierung um zwei Drittel zunächst keine Stellungnahme vor. Gasprom hatte am Montag mitgeteilt, die Lieferungen an Westeuropa über die Nachbarländer der Ukraine umleiten zu wollen. Russlands Regierungschef Wladimir Putin selbst hatte eine Teilversorgung Westeuropas über alternative Routen veranlasst. Dafür solle die Lieferung über die Ukraine um die gleiche Menge reduziert werden. Am Abend hatte der Konzern dann bekanntgegeben, dass die über die Ukraine an die EU gelieferte Gasmenge um 65,3 Millionen Kubikmeter gekürzt werde. Es handele sich um die Menge, die die Ukraine aus den Transitleitungen illegal abzapfe.

Russland wirft der Ukraine vor, Gas zu stehlen. Kiew bestreitet das. Der Vizechef des Monopolisten Gasprom, Alexander Medwedew, wird am Dienstag in Berlin erwartet. Medwedew soll hier eine EU-Abordnung treffen, um eine Lösung im Streit mit der Ukraine zu finden.

kaz/dpa/AP/Reuters



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