Energie wegen des Ukrainekriegs im Wandel Deutschland produziert mehr Strom aus Kohle

Deutschland will unabhängiger werden von russischem Gas. Die Energieproduktion wandelt sich bereits. Die erneuerbaren Energien werden wichtiger – aber auch ein fossiler Brennstoff steht wieder hoch im Kurs.
Strommasten in der Nähe des Kohlekraftwerks Niederaußem: Energie im Wandel

Strommasten in der Nähe des Kohlekraftwerks Niederaußem: Energie im Wandel

Foto: Christoph Hardt / Panama Pictures / IMAGO

Kohle wird für die Energieversorgung in Deutschland infolge des Ukrainekriegs wieder wichtiger. In der ersten Hälfte des Jahres stammte fast ein Drittel des in Deutschland erzeugten Stroms aus Kohlekraftwerken. Der Anteil des fossilen Energieträgers kletterte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 4,3 Punkte auf 31,4 Prozent, wie das Statistische Bundesamt berichtet .

Auch Windkraft und Fotovoltaik legten deutlich zu, sodass sämtliche erneuerbaren Energieträger zusammen auf einen Anteil von 48,5 Prozent kamen. Die Statistiker begründen das unter anderem mit der hohen Zahl an Sonnenstunden. In der ersten Jahreshälfte 2021 hatte der Anteil der erneuerbaren Energieträger noch bei 43,8 Prozent gelegen.

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Die Verstromung von teurem Gas ging um 2,7 Punkte auf einen Anteil von 11,7 Prozent zurück. Wird nur das zweite Quartal betrachtet, ist die gegenläufige Entwicklung von Kohle und Erdgas noch deutlicher. Bei Erdgas hängt Deutschland noch immer sehr von russischen Lieferungen ab, bemüht sich aber um mehr Unabhängigkeit. Zuletzt waren zudem die russischen Erdgaslieferungen an Deutschland eingebrochen.

Wegen der Abschaltung dreier Atomkraftwerke betrug der Produktionsanteil der Kernenergie nur noch 6,0 Prozent nach 12,4 Prozent ein Jahr zuvor. Eigentlich sollten Ende 2022 auch die restlichen AKW abgeschaltet werden. Zwei süddeutsche Kraftwerke sollen aber nun als Notreserve länger einsatzbereit bleiben, so will es Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne). Der Plan wird aber auch kritisiert. »Die Energieversorgung in Deutschland ist gesichert, auch ohne Atomkraft«, sagte etwa die Energieökonomin Claudia Kemfert der »Rheinischen Post«.

Insgesamt stieg die im Inland produzierte und ins Netz eingespeiste Strommenge dem Statistischen Bundesamt zufolge in der Jahresfrist um 1,3 Prozent auf 263,2 Milliarden Kilowattstunden. Es wurde erneut deutlich mehr Strom exportiert als importiert. Erstmals seit Beginn der Statistik im Jahr 1990 führte Deutschland mehr Strom nach Frankreich aus als in umgekehrter Richtung importiert wurde.

ptz/dpa/Reuters
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