Tourismuskrise auf annektierter Halbinsel Reisebuchungen auf die Krim brechen ein, Hotels bleiben dicht

Moskaus Überfall auf die Ukraine sorgt auch auf der annektierten Krim für Verwerfungen: Die Reisebuchungen aus Russland brechen ein, viele Herbergen wollen im Sommer erst gar nicht öffnen.
Touristenattraktion in den Bergen oberhalb Jaltas: Die Erzengel-Michael-Kirche auf der von Russland annektierten Krim

Touristenattraktion in den Bergen oberhalb Jaltas: Die Erzengel-Michael-Kirche auf der von Russland annektierten Krim

Foto: SHAMIL ZHUMATOV/ REUTERS

Die Halbinsel Krim ist einer der beliebtesten Urlaubsorte für Touristen aus Russland, das war vor der völkerrechtswidrigen Annexion durch Moskau im Jahr 2014 so, danach hat sich der Trend noch weiter verstärkt. Gleichzeitig ist der Tourismus auch der wichtigste Wirtschaftssektor der Krim.

In diesem Jahr allerdings dürften die Einnahmen aus dem Urlaubsgeschäft drastisch zurückgehen, melden russische Medien. Grund dafür ist der von Moskau begonnene Angriffskrieg gegen die Ukraine. Nach Angaben der Moskauer Wirtschaftszeitung »Kommersant« könnte die Auslastung der Hotels in den Sommermonaten um 30 bis 40 Prozentpunkte geringer ausfallen als in normalen Jahren.

Mehr noch: Weil die Zahl der Buchungen bislang so gering ausfällt und viele russische Touristen Schwierigkeiten haben, die Anreise auf die Halbinsel zu bewerkstelligen, wollen viele Hotels in Sewastopol, Jalta und anderswo erst gar nicht öffnen. Das meldet der »Kommersant« unter Berufung auf Swetlana Wosnaja vom Branchenverband »Tourismus-Allianz Krim«. Betroffen seien vor allen Dingen Pensionen und kleinere Hotels.

Keine Flüge mehr auf die Krim

Diese Entwicklung habe sich bereits Anfang des Monats angekündigt: Zu den in Russland wichtigen ausgedehnten Maifeiertagen zwischen dem 1. Mai und dem 9. Mai habe die Belegung vieler Unterkünfte nicht mehr als 15 Prozent betragen, so Wosnaja. Für den Sommer rechnet der Verband mit einer Auslastung von gerade einmal 30 bis 40 Prozent, normal seien etwa 80 Prozent. Russische Reiseveranstalter wie Intourist bestätigten der Tageszeitung die Entwicklung. Ein Gesprächspartner des »Kommersant« gab an, die Nachfrage nach Krimreisen im Sommer sei sogar um 85 Prozent gesunken. Andere Reiseveranstalter sprachen von einem Minus von 50 Prozent.

Ursachen der Entwicklung sind zum einen die in Russland im Zuge der Sanktionen stark angestiegene Inflation. Das Hauptproblem besteht allerdings offenbar in der schlechten Verkehrsanbindung der Halbinsel: Der Flughafen in Simferopol ist wegen der Kämpfe auf dem ukrainischen Festland seit dem 24. Februar für Passagierflüge gesperrt. Züge verkehren zwar noch, allerdings reicht deren Kapazität nicht aus, um den Wegfall des Flugverkehrs zu kompensieren.

beb