Flüssiggas in Deutschland Niedersachsen will Unterstützung für vier LNG-Terminals

Die Bundesregierung setzt auf Flüssiggas, um russisches Erdgas zu ersetzen. In Niedersachsen könnten vier neue Entladestationen dafür entstehen. Nach SPIEGEL-Informationen macht das Land nun Druck bei Wirtschaftsminister Habeck.
Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) bei einem Vor-Ort-Besuch in Wilhelmshaven

Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) bei einem Vor-Ort-Besuch in Wilhelmshaven

Foto: Sina Schuldt / dpa

Der niedersächsische Energieminister Olaf Lies (SPD) plant, vier Flüssiggas-Terminals nahe der Nordseeküste zu bauen, und will dafür nun die Unterstützung des Bundes. In einem Brief an Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) schlägt Lies eine Absichtserklärung zu Projekten in Wilhelmshaven und Stade vor. »Diese gemeinsame Vereinbarung sollten wir in den nächsten Tagen erarbeiten und unterzeichnen«, heißt es in dem Schreiben, das dem SPIEGEL vorliegt. Sie solle unter anderem Zusagen für eine »erforderliche anteilige Finanzierung« enthalten.

Seit dem Einmarsch Russlands in die Ukraine hat sich die Bundesregierung zum Ziel gesetzt, unabhängiger von russischen Erdgasimporten zu werden. Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) kündigte dafür den Bau von sogenannten LNG-Terminals im schleswig-holsteinischen Brunsbüttel und im niedersächsischen Wilhelmshaven an. Dort soll Flüssiggas übernommen und als Erdgas ins deutsche Netz eingespeist werden. Habeck war zudem in Norwegen und Katar, um über mehr Flüssiggaslieferungen aus diesen Ländern zu verhandeln.

Für Brunsbüttel wurde bereits eine schriftliche Vereinbarung getroffen, die unter anderem vorsieht, dass die staatliche KfW-Bank zu 50 Prozent an dem Projekt beteiligt wird. Das gesamte Terminal soll rund eine Milliarde Euro kosten. Für niedersächsische Standorte fehlt eine solche Übereinkunft bisher.

Lies kündigt in seinem Brief an, dass bereits Ende 2022 erste Flüssiggaslieferungen über Wilhelmshaven importiert werden könnten. Das wäre deutlich früher als in Brunsbüttel, wo mit einer Fertigstellung nicht vor 2025 oder 2026 gerechnet wird. Um die »ambitionierten Zeitpläne« einzuhalten, sei jedoch eine schnelle Entscheidung nötig, schreibt der niedersächsische Minister. Insgesamt gibt es Pläne für vier LNG-Entlademöglichkeiten in dem Bundesland:

  • In Wilhelmshaven sollen zunächst zwei Schwimmplattformen eingesetzt werden. Eine erste des Konzerns Uniper könnte dem Schreiben zufolge von Ende 2022 an jährlich rund neun Milliarden Kubikmeter Erdgas verarbeiten. 2023 soll eine zweite Plattform mit weiteren neun Milliarden Kubikmetern pro Jahr hinzukommen.

  • Bis 2025 soll in Wilhelmshaven zudem eine feste LNG-Anlage gebaut werden. Sie könnte jedes Jahr rund 20 Milliarden Kubikmeter Erdgas ins Netz einspeisen.

  • In Stade an der Elbe ist bis 2025 ein viertes LNG-Terminal geplant. Die Kapazität dort läge bei rund 13 Milliarden Kubikmetern.

Dazu kommt ein weiteres Projekt in Wilhelmshaven. Statt Flüssiggas soll dort Ammoniak verarbeitet werden. Der Stoff wird in der Industrie benötigt, etwa um Düngemittel herzustellen, und wird heute meist aus Erdgas gewonnen. Ammoniak könnte somit Erdgasimporte ersetzen. »Mit den hier für Wilhelmshaven und Stade beschriebenen Projekten wären wir in der Lage, das gesamte aus Russland importierte Gas zu ersetzen«, fasst Lies zusammen. Bisher importiert Deutschland rund 56 Milliarden Kubikmeter Erdgas pro Jahr aus Russland.

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Bisher keine LNG-Terminals in Deutschland

Planungen für LNG-Terminals in Deutschland gibt es seit Jahren. Allerdings haben privatwirtschaftliche Investoren diese nie umgesetzt. Im Vergleich zu Pipeline-Erdgas war LNG stets teurer, und entsprechend fraglich war die Nachfrage. In Wilhelmshaven etwa waren die Pläne für ein LNG-Terminal im vergangenen Jahr eigentlich aufgegeben worden, bis der Ukrainekrieg zu einem schnellen Kurswechsel führte. Nun will sich der Staat nicht nur an den Baukosten beteiligen. Offenbar soll Gas aus LNG auch von bestimmten Netzentgelten befreit werden. Die Mehrkosten müssten dann die Verbraucher über ihre Erdgasrechnung zahlen. Gleiches gilt für den Ausbau des Erdgasnetzes, der für LNG nötig wird.

Klimaaktivisten kritisieren, dass mit den LNG-Terminals »neue fossile Infrastruktur« geschaffen werde. Die Politik verweist stets darauf, dass mit den Anlagen in Zukunft »grüner Wasserstoff« importiert werden könnte. »Alle niedersächsischen Projekte sind Green-Gas-ready«, betont nun auch der niedersächsische Umweltminister Lies. Wie aufwendig eine Umrüstung auf Wasserstoff ist, wann sie stattfinden und wer das bezahlen soll, ist allerdings bisher unklar. Konkrete Pläne dazu gibt es nicht.