Ukraine Regierung startet nationale Rettungsaktion für Naftogas

Finanzielle Schieflage mit brisantem Hintergrund: Der staatliche Energieriese Naftogas steht nach Angaben der ukrainischen Regierung kurz vor dem Bankrott. Ministerpräsidentin Julia Timoschenko befürchtet, dass die Gasleitungen unter russische Kontrolle geraten könnten.


Kiew – Für Timoschenko ist die Rettung von Naftogas eine Frage der Staatsraison. Es sei eine staatliche Kommission zur Rettung des Unternehmens gebildet worden, sagte die ukrainische Ministerpräsidentin heute laut Nachrichtenagentur Interfax bei einem Treffen mit Naftogas-Chef Oleg Dubina. Der seit rund zwei Wochen amtierende Dubina schätzt den Verlust der Firma im vergangenen Jahr auf rund ein Milliarde Dollar (685 Millionen Euro) – das wäre doppelt so viel wie in dem Jahr davor.

Naftogas-Pipeline: Ukrainische Regierung will für die Schulden des Energieriesen aufkommen
AP

Naftogas-Pipeline: Ukrainische Regierung will für die Schulden des Energieriesen aufkommen

Den Grund für ihr Engagement nannte Timoschenko ganz offen: Dubiose Unternehmen wollten sich der Gas-Pipelines in der Ukraine bemächtigen und deshalb künstlich einen Bankrott des Staatskonzerns herbeiführen, erklärte sie. Die Ukraine werde deshalb für alle Schulden des Unternehmens aufkommen und so die Gasversorgung für Europa sichern. Timoschenko war Mitte Dezember erneut zur Ministerpräsidentin ernannt worden.

Timoschenko hatte die Führung von Naftogas seit langem kritisiert. Ihren Vorgänger-Ministerpräsidenten warf die Politikerin unter anderem vor, dubiose Deals mit russischen Partnern zugelassen zu haben, um den Kreml zu beruhigen. Die Ukraine ist von russischem Gas abhängig. Russland hatte im Jahr 2005 die Gasversorgung in die Ukraine unterbrochen, um höhere Preise durchzusetzen. Im Dezember erhöhte Russland nochmals die Preise für Lieferungen in die Ukraine.

Insgesamt ist das Pipeline-Netz in der Ukraine in keinem guten Zustand. Der Verschleiß hatte im vergangenen Mai zu einer Explosion an einer für den Transfer nach Westeuropa wichtigen Naftogas-Leitung geführt. Experten fürchteten damals, dass sich ähnliche Unfälle künftig häufen könnten, da die meisten Rohre im Schnitt 30 Jahre alt sind.

Die EU-Kommission hatte die Ukraine wiederholt zur Modernisierung ihrer Netze aufgefordert. Das Unglück sei ein weiterer Beweis dafür, "dass das ukrainische Netz - oder zumindest der Teil des Pipeline-Netzes, der für die Europäische Union Gas liefert - überholt werden muss", sagte ein Sprecher der Generaldirektion Energie in Brüssel. Der geringe finanzielle Spielraum dürfte es Naftogas nicht eben leicht machen, die Vorgaben zu erfüllen.

mik/AFP



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Opti_Mist, 02.07.2007
1. Sicherer ?
Zitat von sysopDie Ostsee-Gaspipeline soll Deutschland ab 2010 direkt mit russischem Erdgas beliefern, ohne den Umweg über Transitländer. Wird unsere Energieversorgung dadurch sicherer - oder bindet sich die Bundesrepublik zu sehr an Russland?
Wer garantiert, daß uns die Zwillinge nicht nach jeder satirische Darstellung in der TAZ das Gas abdrehen ?
Frank Wagner, 02.07.2007
2.
Natürlich wird sie sicherer. Immerhin können uns so übelwollende östliche Nachbar dann nicht mehr so einfach den Gashahn abdrehen. Und das wir uns von Rußland abhängig machen..nun ja, die haben nun mal die Gasfelder.
Klo, 02.07.2007
3.
Zitat von sysopDie Ostsee-Gaspipeline soll Deutschland ab 2010 direkt mit russischem Erdgas beliefern, ohne den Umweg über Transitländer. Wird unsere Energieversorgung dadurch sicherer - oder bindet sich die Bundesrepublik zu sehr an Russland?
Ich vermute nicht, dass es um Sicherheit geht, sondern um Geld. Wer vermutet, die Pipeline wird aus irgendwelchen Wohlfahrts-Erwägungen gebaut, etwa damit es im Winter warm bleibt in den Kinderzimmern, der dürfte reichlich blauäugig sein. Geld wird damit zu machen sein, nichts anderes. Die "Versorgungssicherheit", was immer das heißen mag, wird sich dadurch nicht ändern, weder zum "besseren", noch zum "schlechteren". Gut dran ist immer derjenige, der kein Gas braucht. Das Klo.
Tolotos 02.07.2007
4.
Zitat von sysopDie Ostsee-Gaspipeline soll Deutschland ab 2010 direkt mit russischem Erdgas beliefern, ohne den Umweg über Transitländer. Wird unsere Energieversorgung dadurch sicherer - oder bindet sich die Bundesrepublik zu sehr an Russland?
Die Bindung an Russland besteht doch ohnehin, denn die Tatsache, dass Russland als Quelle des Gases diese zudrehen kann, ist doch unabhängig vom weiteren Verlauf der Pipeline. Es entfällt doch nur die zusätzliche Abhängigkeit von den Transitländern. Allerdings könnte die Ostseepipeline anfälliger für Anschläge sein, da sie m. E. schwerer zu sichern ist.
Triakel 02.07.2007
5.
Dringend brauchen wir die. Ich gehöre ja nicht unbedingt dem Schröder-Fanclub an, aber das war einer der klügeren Sachen, die er eingefähdlt hat. Und nicht alles war klug, was er gemacht hat. Auch gegen seinen Job beim Pipeline-Konsortium habe ich nichts einzuwenden, denn man braucht eigene Leute an den Schalstellen. Dann können uns die weißrussischen, ukrainischen oder polnischen Regierungen mit ihrer Unberechenbarkeit den Buckel runterrutschen. Dss wir von den Russen abhängiger werden, ist zwar eine Tatsache, aber norwegisches und britisches Gas werden in nicht zu ferner Zukunft zur Neige gehen, während die Russen wesentlich mehr Reserven haben. Alternative wären dann der Iran oder Katar, die ebenfalls über sehr reichliche Vorkommen verfügen. Nur vertrauenserweckender sind die auf keinen Fall und außerdem geographisch weiter weg. Also wird uns nichts weiter übrig bleiben, als uns von den Russen abhängiger zu machen, auch wenn in Sonntagsreden immer davor gewarnt wird.
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