Wegen Ukrainekrieg Škoda muss Produktion einschränken

Die Chipkrise setzt den meisten Autoherstellern seit Monaten zu. Jetzt fehlen bei Škoda in Tschechien auch andere Bauteile – von Zulieferern aus der Ukraine. Betroffen ist vor allem ein Elektro-SUV.
Neuwagen-Parkplatz bei der Škoda-Fabrik Mladá Boleslav

Neuwagen-Parkplatz bei der Škoda-Fabrik Mladá Boleslav

Foto: Slavek Ruta / ZUMA Wire / IMAGO

Die russische Invasion in die Ukraine hat erste Auswirkungen auf die Produktion der tschechischen Volkswagen-Tochter Skoda. Man kämpfe mit einem »kritischen Mangel« an Teilelieferungen von mehreren Zulieferern in der Ukraine, teilte das Unternehmen mit.

Betroffen sind demnach mehrere Modelle des Autobauers. Man sei gezwungen gewesen, mit Beginn dieser Woche die Herstellung des Elektroautos Škoda Enyaq iV einzuschränken. Škoda arbeite intensiv daran, nach alternativen Lieferquellen zu suchen.

Nach eigenen Angaben beschäftigt Škoda in Tschechien mehr als 600 ukrainische Mitarbeiter. Der Konzern will sie und ihre Familien in dieser Notsituation unterstützen. Konkrete Hilfe werde bei der Beantragung von Visa sowie bei Unterbringung, Gesundheitsversorgung und Integration angeboten. Zudem spende Škoda umgerechnet knapp eine halbe Million Euro an tschechische Hilfsorganisationen und Kommunen für die Flüchtlingshilfe.

Produktionsstopp in ukrainischer Fabrik

In Solomonowo in der westlichen Ukraine stellt der unabhängige Škoda-Partner Eurocar die Modelle Superb, Kodiaq, Karoq und Fabia Combi für den ukrainischen Markt her. Dort ist die Fertigung derzeit eingestellt. »Ein Rückgang des Verkaufs in der Ukraine und in Russland ist im Hinblick auf die aktuelle Entwicklung zu erwarten«, hieß es aus der tschechischen Zentrale. Russland sei im vorigen Jahr mit 90.400 ausgelieferten Fahrzeugen der Marke Škoda das zweitwichtigste Absatzland weltweit gewesen.

Auch andere Automarken könnten in den kommenden Wochen Probleme mit russischen oder ukrainischen Zulieferern bekommen. Aufmerksam beobachtet wird in der Branche, wie es Renault in dieser Krise geht. Kein westlicher Autohersteller ist so eng mit Russland verbunden, acht Prozent des Kernergebnisses erwirtschaftet Renault dort, schreibt die Nachrichtenagentur Reuters.

Renault hält außerdem eine Sperrminorität von 25 Prozent an Russlands größtem Pkw-Hersteller AvtoVAZ, der im Westen für seine Marke Lada bekannt ist. Im AvtoVAZ-Werk in Togliatti hatte am Montag die Produktion stillgestanden. Laut einer Meldung der russischen Nachrichtenagentur Interfax ist die Arbeit aber diesen Dienstag wieder aufgenommen worden. Als Grund für die Pause wurde der Mangel an elektronischen Bauteilen genannt.

Unter fehlenden oder nur verzögert lieferbaren Chips vor allem aus Fernost leiden seit Monaten zahlreiche Autohersteller rund um den Globus. Vorige Woche zum Beispiel ruhte die Produktion des Mini im britischen Oxford. Der Ausfall bei der BMW-Tochter dauerte sogar eine komplette Woche.

mamk/dpa-AFX/Reuters