Ukrainische Fahrer fallen aus Spediteure befürchten Engpässe bei Lkw-Transporten

Der Krieg trifft die Logistikbranche mit voller Wucht: Tausende ukrainische Lkw-Fahrer fehlen, der Bahn- und Schiffsverkehr wird gestört. In einem internen Papier warnt der Spitzenverband vor Problemen.
»Give your hand to Ukraine«: Ein Lkw auf der A2-Autobahnraststätte Lehrte. Viele ukrainische Fahrer, die im Westen arbeiten, sind wegen des Kriegs in ihre Heimat zurückgekehrt

»Give your hand to Ukraine«: Ein Lkw auf der A2-Autobahnraststätte Lehrte. Viele ukrainische Fahrer, die im Westen arbeiten, sind wegen des Kriegs in ihre Heimat zurückgekehrt

Foto: Ole Spata / dpa

Der Bundesverband Spedition und Logistik (DSLV) befürchtet Engpässe bei Lkw-Transporten infolge des russischen Angriffskriegs in der Ukraine.

»Lkw-Fahrer aus der Ukraine, aus Polen, Belarus und Russland stehen für den europäischen Markt kaum noch zur Verfügung«, heißt es in einem internen Papier des Spitzenverbandes der Speditions- und Logistikbranche, das dem SPIEGEL auszugsweise vorliegt. »Die europäischen Frachtkapazitäten im Straßengüterverkehr sind [...] hierdurch um bis zu sieben Prozent eingeschränkt.«

Der europaweit ohnehin schon bestehende Fahrermangel  werde durch die Krise weiter verschärft, warnen die Verfasser.

»Allein in Polen waren vor Kriegsausbruch rund 100.000 ukrainische Fahrer beschäftigt. […] Werden den europäischen Straßengüterverkehrsmärkten weitere ukrainische, russische, belarussische sowie osteuropäische Lkw-Fahrer entzogen, wird das zu weiteren Laderaumengpässen führen.«

Brancheninsidern zufolge heuern polnische Speditionen zurzeit verstärkt polnische Fahrer an, um Ukrainer zu ersetzen, die nun im Krieg mitkämpfen müssen oder wollen. Diese polnischen Kraftfahrer fehlen dann wiederum ihren bisherigen Arbeitgebern, etwa deutschen Transportbetrieben.

Versorgung »zurzeit gewährleistet«

Der DSLV bestätigte dem SPIEGEL die Authentizität des Papiers.

Die Versorgung Deutschlands mit Lebensmitteln und anderen wichtigen Gütern sei zurzeit gewährleistet, betonte Hauptgeschäftsführer Frank Huster. Allerdings würden die Transporte teurer – wegen höherer Fahrergehälter und vor allem wegen der sprunghaft gestiegenen Kraftstoffpreise.

Sorgen bereiten dem Verband auch die Störungen im Schienengüter- und Seefrachtverkehr zwischen Europa und Asien.

So sei die Bahnverbindung über die Ukraine in Richtung Osten unterbrochen, über Russland und Belarus dagegen noch nicht. »Weitere Behinderungen […] auf russischem Territorium können die Beschaffungswege europäischer Industriebetriebe und Handelshäuser empfindlich stören«, heißt es in dem Papier.

Der Seeverkehr könne diese Störungen des transeurasischen Schienengüterverkehrs angesichts eigener Engpässe nicht mehr auffangen, schreiben die Verfasser: »Im Vorgriff auf mögliche EU-Sanktionsbestimmungen (Einlaufverbot für Schiffe unter russischer Flagge) nehmen die Häfen Hamburg, Rotterdam und Antwerpen heute bereits aus Russland kommende oder für Russland bestimmte Container nicht mehr an, wodurch das operative Handling zusätzlich gestört wird.«

Und durch erneute Corona-Lockdowns in China seien die Abfertigungen in zwei großen Häfen der Volksrepublik zusätzlich ins Stocken geraten.

Mit den Transportkosten steigen die Güterpreise

Laut dem internen DSLV-Papier verteuern sich Logistik- und Transportdienstleistungen sämtlicher Verkehrsträger derzeit spürbar. Und: »Die Preisentwicklung für logistische Dienstleistungen wirkt bereits auf das Preisniveau von Industrie- und Konsumgütern.«

Zwar könne der Effekt der Wirtschaftssanktionen sowie die Schließung von Produktionsstandorten theoretisch zu einer niedrigeren Nachfrage nach Transporten und einer Angleichung an das geringere Angebot führen, heißt es in dem Papier. Dies aber könne nicht zuverlässig prognostiziert werden.

Die Wiedergabe wurde unterbrochen.