Ultimatum Microsoft droht Yahoo mit feindlicher Übernahme

Microsoft will nicht länger warten: Der Softwareriese hat Yahoo im Übernahmepoker ein dreiwöchiges Ultimatum gesetzt. Reagiert das Internetunternehmen bis dahin nicht auf das aktuelle Angebot, will sich Microsoft direkt an die Aktionäre wenden und den Yahoo-Vorstand abwählen lassen.


Seattle/Washington/San Francisco - Der US-Softwarekonzern Microsoft Chart zeigen hat dem Vorstand des Internetdienstleisters Yahoo Chart zeigen eine Frist von drei Wochen gesetzt, um auf sein Übernahmeangebot zu reagieren. Andernfalls werde man sich nach Ablauf der Frist am 26. April direkt an die Yahoo-Aktionäre wenden, schreibt Microsoft-Chef Steve Ballmer in einem auf der Microsoft-Website veröffentlichten Brief an die Yahoo-Führung.

Microsoft und Yahoo: Drei-Wochen-Frist im Übernahmepoker
DPA

Microsoft und Yahoo: Drei-Wochen-Frist im Übernahmepoker

Dabei werde er sich auch darum bemühen, dass ein anderer Yahoo-Vorstand gewählt werde, so Ballmer. Es sei nun an der Zeit, dass sich Vertreter beider Seiten zusammensetzten und über eine Einigung verhandelten. Eine Yahoo-Sprecherin sagte der Nachrichtenagentur Reuters, ihr sei der Brief nicht bekannt, daher könne sie ihn nicht kommentieren.

Der Microsoft-Chef beklagt in dem Schreiben, dass sich seit der am 1. Februar vorgelegten Kaufofferte nichts getan habe. Das Angebot entspricht 31 Dollar pro Yahoo-Aktie und hätte den Aktionären einen Gewinn von 62 Prozent eingebracht. Die Yahoo-Führung hatte das Angebot jedoch als zu gering abgelehnt, weil es nicht das Entwicklungspotential des Unternehmens berücksichtige.

Druck auf Yahoo-Chef Yang steigt

Mit dem Ultimatum erhöht Microsoft an diesem Wochenende zum zweiten Mal den Druck im Übernahmepoker. Die Finanz-Nachrichtenagentur Bloomberg hatte mit Hinweis auf Informationen zweier Insider bereits berichtet, Microsoft wolle seine Kaufofferte eventuell senken. Die Begründung: Die drohende Rezession bedrohe das Geschäft von Yahoo, daher sei das Portal auch weniger wert.

Etliche Yahoo-Aktionäre hatten schon vorher gefordert, das Microsoft-Angebot anzunehmen. Denn der Internetkonzern will nach bisherigen Angaben am 22. April seine Zahlen für das erste Quartal vorlegen - und in der Branche und an der Wall Street wird spekuliert, dass die Ergebnisse eher schwach ausfallen dürften.

Nun steigt der Druck auf Yahoo-Chef Jerry Yang weiter. Bereits seit Wochen versucht er, eine überzeugende Alternative zur Übernahme zu finden, ist damit aber in den Augen vieler Investoren gescheitert. Am Freitag hatte das "Wall Street Journal" zudem berichtet, in dieser Woche sei ein zweites Gespräch zwischen Top-Managern von Microsoft und Yahoo ergebnislos gewesen.

Microsoft will mit dem Yahoo-Kauf gegen die Übermacht des Rivalen Google bei Online-Suche und Internetwerbung ankämpfen.

tno/AP/AFP/Reuters/dpa



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