Umfrage Jeder zweite Maschinenbauer will Stellen streichen

Radikaler Jobabbau: Laut einer Umfrage des Branchenverbands VDMA plant mehr als die Hälfte aller deutschen Maschinenbauer in diesem Jahr Mitarbeiter zu entlassen. Mindestens 25.000 Stellen drohen wegzufallen.


Düsseldorf - Die Wirtschaftskrise macht sich zunehmend auf dem Arbeitsmarkt bemerkbar: Dem von der Rezession stark getroffenen Maschinenbau droht offenbar ein radikaler Jobabbau. Das geht aus einer aktuellen Umfrage des Verbands Deutscher Maschinen- und Anlagenbau (VDMA) hervor.

Deutscher Maschinenbau: Arbeitgeber für rund eine Million Menschen
DPA

Deutscher Maschinenbau: Arbeitgeber für rund eine Million Menschen

54 Prozent der befragten Unternehmen rechnen demnach damit, dass die Zahl der Beschäftigten in ihren Firmen bis zum Jahresende zurückgehen wird. Lediglich 37 Prozent der Betriebe geht von keiner Veränderung aus. Und gerade mal neun Prozent der Firmen erwartet, neue Stellen zu schaffen. Die Befürchtung des VDMA: Insgesamt fallen in diesem Jahr 25.000 Stellen weg.

Kaum eine andere Branche in Deutschland ist so stark vom Abschwung getroffen wie der Maschinenbau. Seit Monaten gehen die Auftragseingänge in den Unternehmen drastisch zurück - im April war das Minus mit fast 60 Prozent so hoch wie noch nie. Zugleich ist der Maschinenbau einer der wichtigsten Arbeitgeber des Landes. Fast eine Million Menschen arbeiten in dieser Branche.

Betriebe kaum ausgelastet

Die Betriebe hätten derzeit kaum Aufträge, erklärte VDMA-Präsident Manfred Wittenstein die düsteren Aussichten. So seien die Firmen derzeit nur zu knapp 72 Prozent ausgelastet - ein historischer Tiefpunkt. "Wenn die Personalkapazitäten langfristig nicht ausgelastet werden, geht es ums Überleben."

Die Folgen sind bereits sichtbar: In den ersten vier Monaten des Jahres seien 13.000 Stellen gestrichen worden. Zudem seien allein im März 158.000 Beschäftigte in Kurzarbeit gewesen.

Wittenstein sagte, die Situation sei verzwickt. Die Lage in den Betrieben sei so dramatisch, dass die Firmen allein aus Kostengründen Mitarbeiter entlassen müssten. Andererseits wollten die Unternehmen an ihren hochqualifizierten Facharbeitern und Ingenieuren festhalten, da diese im Fall eines Aufschwungs dringend benötigt würden.

Branche hält an Prognose fest

An den Erwartungen für das Gesamtjahr hält der Verband trotz des negativen Umfrageergebnisses fest: "Wir sind davon überzeugt, dass wir die Prognose von zehn bis 20 Prozent beim Produktionsrückgang halten können." Bis Ende April habe die Produktion allerdings schon um ein Fünftel nachgegeben.

Die Anfragen bei den Unternehmen seien weiterhin da, in den Bestellungen schlage sich das aber nicht nieder, erläuterte Wittenstein. "Wir befinden uns mitten in einer sehr tiefen Rezession und eine nachhaltige Erholung ist für uns gegenwärtig noch nicht absehbar", sagte Wittenstein. "Frühindikatoren dürfen wir nicht zu sehr überbewerten."

Am Montagmorgen hatte das Ifo-Institut den dritten Monat in Folge einen steigenden Geschäftsklimaindex bekanntgegeben: Der Indikator erhöhte sich von 84,2 Punkten auf 85,9 Punkte, wie das Ifo-Institut am Montag in München mitteilte. Der Anstieg übertraf die Erwartungen der Konjunkturexperten. Volkswirte hatten mit einem Anstieg von 84,2 Punkten im Vormonat auf 85,1 bis 85,3 Punkte gerechnet.

Ifo-Index im Juni

Deutschland Mai Juni
Geschäftsklima 84,3 85,9
Geschäftsbeurteilung 82,5 82,4
Geschäftserwartung 86,0 89,5

Quelle: Ifo-Institut, 22. Juni 2009

Die Unternehmen blicken laut der jüngsten Umfrage noch einmal optimistischer als im Vormonat auf das kommende halbe Jahr. Der Index für die Geschäftserwartungen kletterte entsprechend von 86,0 Punkten auf 89,5 Punkte. Ihre derzeitige Lage beurteilten die Firmen minimal schlechter als im Mai. Der Lage-Index fiel von 82,5 Punkten auf 82,4 Punkte. Von April auf Mai hatte er noch deutlich stärker nachgegeben.

Auch die Bundesbank gab am Montag Anlass zur Hoffnung: Die Talfahrt der Wirtschaft sei inzwischen gebremst, teilte die Bundesbank in ihrem aktuellen Monatsbericht mit. Eine schnelle Erholung sei jedoch nicht in Sicht.

yes/Reuters/dpa



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