Umfrage Mehrheit der Deutschen will den Mindestlohn

Die Große Koalition zankt noch, die Meinung der Wähler aber ist eindeutig: Die Mehrheit ist einer Umfrage zufolge für den Mindestlohn – das gilt auch für Unionswähler.


Hamburg – Das Votum ist eindeutig: In einer Befragung für den "Stern" sprachen sich 71 Prozent der Bürger für die Einführung eines Mindestlohns aus, wie das Hamburger Magazin berichtet. Nur 25 Prozent seien dagegen. Bei den Unionswählern wünschten sich 59 Prozent eine gesetzliche Lohn-Untergrenze – CDU und CSU lehnen in der Großen Koalition einen flächendeckenden Mindestlohn ab.

Geteilter Ansicht waren die Befürworter in der Umfrage, ob es einen generellen Mindestlohn für alle geben soll – dafür sprachen sich 49 Prozent aus - oder ob jede Berufsgruppe den Mindestlohn nach ihren wirtschaftlichen Möglichkeiten festsetzt, was 50 Prozent der Befragten vorziehen. Für die repräsentative Umfrage wurden am 19. und 20. Dezember 1002 Bundesbürger befragt.

Nach Ansicht des Ifo-Präsidenten Hans-Werner Sinn wird die allgemeine Einführung eines Mindestlohnes zu vielen zusätzlichen Arbeitslosen führen. "Wir schätzen, dass etwa 1,9 Millionen Arbeitsplätze verloren gingen, wenn tatsächlich für alle Branchen 9 Euro im Osten und 9,80 im Westen als Mindestlohn fixiert würden", sagte Sinn in der Leipziger Volkszeitung.

Sinn plädierte für eine Politik der Sicherung von Mindesteinkommen, "damit eine Gesellschaft auch dann überleben kann, wenn die Spannungen zwischen Arm und Reich deutlich zunehmen". Sinn sprach sich für eine negative Einkommenssteuer aus. "Damit würden Geringqualifizierte auf Dauer ein zweites - staatliches - Einkommen erhalten, das das selbst verdiente Einkommen ergänzt."

ase/AFP



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