Umfrage Mehrheit lehnt Gesundheitsfonds ab

Im Kanzleramt will Angela Merkel heute Abend mit den Partei- und Fraktionschefs von Union und SPD die Weichen für die Einführung eines Gesundheitsfonds stellen. Die meisten Deutschen sind allerdings laut einer Umfrage gegen dieses Reformprojekt.


Berlin - Bei dem Spitzentreffen sollen "wichtige Zwischenschritte" für eine Lösung vereinbart werden, "die 10 bis 15 Jahre tragen muss", sagte SPD-Chef Kurt Beck. Der Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz bemühte sich zugleich, die Erwartungen zu dämpfen. "Ich erwarte mir von der Gesundheitsreform keine Wunder", sagte er. "Wir arbeiten ordentlich und lösungsorientiert, aber auch mit der notwendigen Kompromissbereitschaft daran. Schließlich regieren wir in einer Koalition."

In der deutschen Bevölkerung stößt das Fondsmodell, mit dem die Große Koalition künftig die gesetzliche Krankenversicherung finanzieren will, auf breite Ablehnung. Wie die Zeitung berichtet, ergab eine Umfrage des Forsa-Instituts im Auftrag der Techniker Krankenkasse, dass 69 Prozent der Bundesbürger den geplanten Gesundheitsfonds für "eher ungerechter" als das heutige System halten. Nur 18 Prozent halten den Fonds für gerechter. 69 Prozent fürchten zusätzliche Bürokratie.

Nach Informationen der "Bild am Sonntag" soll auf dem Gipfel die Einführung des Gesundheitsfonds ab 2008 beschlossen werden. Die Kassenbeiträge der Arbeitgeber werden dem Bericht zufolge eingefroren. Nach anderen Berichten sollen private Krankenversicherungen (PKV) künftig jeden bisher gesetzlich Versicherten aufnehmen müssen. Auch soll der Sonderbeitrag zur Krankenversicherung von 0,9 Prozent auf 1,4 Prozent des Bruttolohns angehoben werden. Die Eckpunkte der Reform könnten von den Koalitionsfraktionen bereits Anfang Juli beschlossen werden.

Bundesärztekammer-Präsident Jörg-Dietrich Hoppe lehnte den geplanten Gesundheitsfonds ab. "Das Fondsmodell führt zur Vollendung der Planwirtschaft im Gesundheitswesen", sagte er.

Unterdessen lassen die Ministerpräsidenten der Union der Zeitung zufolge eine neue Variante zur Kostensenkung im Gesundheitswesen durchrechnen: die Ausgliederung privater Unfälle aus der gesetzlichen Krankenversicherung. Die Regierungschefs zielten dabei nicht nur auf Sportunfälle, sondern auch auf Haushaltsunfälle ab. Das Risiko müsste vom Bürger zusätzlich versichert werden.

als/ddp



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