Umfrage Verbraucher wollen Lebensmittel-Ampel

Mehr Klarheit im Supermarkt: 69 Prozent aller Verbraucher wünschen sich einer Umfrage zufolge eine Nährwertkennzeichnung in den Ampelfarben. Doch die Bundesregierung hält sich zurück.

Berlin - Rot, gelb, grün: Die Kennzeichnung von Lebensmitteln mit der sogenannten Ampel stößt auf breite Zustimmung der Bundesbürger. Mehr als zwei Drittel der Verbraucher fordern von der Bundesregierung, sich für die Nährwert-Ampel einzusetzen. Das geht aus einer von der Verbraucherrechtsorganisation Foodwatch in Auftrag gegebenen Studie hervor.

Zugleich appellierten 77 Prozent der Befragten an die Regierung, das von der EU geplante Kennzeichnungsverbot nicht zu akzeptieren. Vielmehr sollte sich der Bund für eine Öffnungsklausel einsetzen, die die Lebensmittel-Ampel in Deutschland ermöglichen würde. Für die repräsentative Umfrage befragte das Meinungsforschungsinstitut Emnid Mitte Juli 1004 Menschen.

Bei der Ampelkennzeichnung wird mit den Farben rot, gelb und grün signalisiert, ob der Gehalt an Fett, Zucker, Salz und anderen Inhaltsstoffen hoch, mittel oder gering ist. Foodwatch wirft der Europäischen Kommission vor, ihr bisheriger Vorschlag zur Nährwertkennzeichnung führe dazu, dass kein Staat mehr das Ampelmodell vorschreiben könne. Dies habe ein Rechtsgutachten im Auftrag der Organisation ergeben.

Foodwatch-Geschäftsführer Thilo Bode forderte Bundesverbraucherministerin Ilse Aigner (CSU) daher auf, sich auch in Brüssel für die Lebensmittel-Ampel einzusetzen. "Deutschland will die Ampel, und Deutschland will sich vor allem kein Ampelverbot aus Brüssel diktieren lassen", sagte er. Foodwatch fordert daher eine sogenannte Öffnungsklausel in der EU-Vorschrift, um zumindest auf nationaler Ebene eine verpflichtende Ampelkennzeichnung zuzulassen.

Bode warf Aigner mangelndes Engagement in Brüssel für das Anliegen vor: Die Ministerin gebe sich "nur zum Schein offen für die verbraucherfreundliche Nährwertkennzeichnung", helfe tatsächlich aber nur der Lebensmittelindustrie. Die Kommission und das Bundesverbraucherministerium halten der Foodwatch-Kritik entgegen, eine verpflichtende Ampelkennzeichnung sei ihrem Entwurf zufolge zwar nicht mehr möglich, dafür aber auf freiwilliger Basis. Das jedoch reicht nach Ansicht von Foodwatch nicht aus.

Der Staatssekretär im Verbraucherministerium, Gert Lindemann, warf Foodwatch vor, Unmögliches zu fordern. "Wenn die EU verbindliche Vorgaben macht, können wir das national nicht anders umsetzen", sagte er. Maximal könnten nationale Regeln auch nur für heimische Produkte gelten, nicht für importierte Waren. Dies bedeute für die Kennzeichnung von Nährwerten "unter dem Strich ein Riesenchaos", sagte Lindemann. Deutschland setze daher auf freiwillige Regelungen auf nationaler Ebene.

yes/AFP

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