Umfragenaffäre PR-Manager Hunzinger verurteilt

Wegen uneidlicher Falschaussage in der so genannten Umfragenaffäre ist Moritz Hunzinger zu zehn Monaten Haft auf Bewährung verurteilt worden. Der Umgang mit dem umtriebigen PR-Berater hat bereits drei Minister das Amt gekostet.


Stuttgart - Das Amtsgericht Stuttgart sah es als erwiesen an, dass Hunzinger bei seiner Vernehmung vor dem Untersuchungsausschuss des baden-württembergischen Landtags zur Flow-Tex-Affäre gelogen hatte, als es um die Finanzierung einer Umfrage zur baden-württembergischen Wirtschaftspolitik ging. Neben der Bewährungsstrafe muss der PR-Manager 30.000 Euro Geldbuße an gemeinnützige Organisation zahlen.

Moritz Hunzinger: Falschaussage in der Umfragenaffäre
DPA

Moritz Hunzinger: Falschaussage in der Umfragenaffäre

Im Zuge der so genannten Umfrageaffäre waren im Sommer 2004 Baden-Württembergs Wirtschaftsminister Walter Döring und Justizministerin Corinna Werwigk-Hertneck (beide FDP) zurückgetreten. Laut Anklage hatten Döring und Hunzinger 1999 eine Infas-Umfrage zur Wirtschaftspolitik des Ministers vereinbart, die zum großen Teil von Hunzinger finanziert gewesen sei. Die Restkosten soll die Flow-Tex-Tochterfirma Flow-Waste übernommen haben.

Hunzinger hatte stets beteuert, er habe nicht falsch ausgesagt. Die Staatsanwaltschaft hatte für den PR-Berater 15 Monate Gefängnis auf Bewährung beantragt, die Verteidigung hatte hingegen auf Freispruch plädiert. Ursprünglich hatte das Amtsgericht gegen Hunzinger einen Strafbefehl über eine Freiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung erlassen. Dagegen hatte der PR-Berater Einspruch erhoben, weswegen es zu der Verhandlung gekommen war.

Moritz Hunzinger hat bereits schon einmal einen hochrangigen Politiker mit seiner Beratertätigkeit zu Fall gebracht: Rudolf Scharping. Der damalige Bundesverteidigungsminister und frühere SPD-Chef trat im Juni 2002 zurück, nachdem bekannt geworden war, dass er von Hunzinger Honorarzahlungen in Höhe von 140.000 DM angenommen hatte.

Scharping hatte erklärt, dass er das Geld für früher gehaltene Vorträge und als Vorschuss für seine geplante Autobiographie erhalten hatte. Er wehrte sich jedoch gegen Vorwürfe, dass Hunziger ihm weiterhin Anzüge im Wert von 55.000 Mark bezahlt hätte.

ank/AFP/ddp



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