Umstrittene Investments Bill Gates kämpft um sein Wohltäter-Image

Der Ruf der Stiftung von Bill und Melinda Gates hat Schaden genommen: Sie sieht sich mit dem Vorwurf konfrontiert, fragwürdige Öl- und Chemiefirmen mit Multimillionen-Investments zu unterstützen. Nun will das Stifter-Ehepaar persönlich reagieren.

Hamburg – Die Stiftung von Bill und Melinda Gates wolle in diesem Jahr alle ihre Investments unter ethischen Gesichtspunkten überprüfen. Das kündigte die Geschäftsführerin der Stiftung, Cheryl Scott, in einem Gespräch mit der "Seattle Times" an. Wenn die Situation bei den Firmen, an denen die Stiftung beteiligt ist, "ungeheuerlich" sei, werde man das Geld anderweitig investieren.

Je nach Ausgang der Prüfung könnte die Stiftung dreistellige Millionen-Dollar-Beträge oder sogar noch größere Summen aus Firmen abziehen und neu anlegen.

Die Gates-Stiftung ist die größte wohltätige Stiftung der Welt und kam bereits im August 2006 auf einen Kapitalstock von 32 Milliarden Dollar. Seitdem hat der US-Miliardär Warren Buffett, ein Freund von Microsoft  -Gründer Bill Gates, der Stiftung weitere 31 Milliarden Dollar versprochen. Die Stiftung engagiert sich vor allem für die Bekämpfung von Krankheiten und fördert zum Beispiel die Anti-Aids-Forschung und Impfprogramme für Kinder in Afrika.

Bisher geht die Stiftung bei der Anlage ihres Vermögens nach einer Praxis vor, die als "blind-eye investing" kritisiert wird: Sie bewertet nicht systematisch, ob die Politik von Unternehmen, deren Aktien sie zur Geldanlage kauft, den Zielen der Stiftung zuwiderläuft. Zwar hat die Stiftung bereits vor Jahren beschlossen, keine Anteile an Tabakfirmen mehr zu übernehmen - es gibt aber zum Beispiel keine ähnlichen Ausschlussregeln für Mineralölkonzerne.

Geschäftsführerin Cheryl Scott räumte in dem Interview der "Seattle Times" ein, dass diese bisherige Praxis "nicht zu 100 Prozent effektiv" sei. Die Entscheidung, welche Firmen als Anlageobjekt taugten und welche nicht, sei aber "sehr, sehr komplex". Die angekündigte Überprüfung solle von Bill und Melinda Gates selbst durchgeführt werden.

Stiftungsgeld bei Umweltsündern angelegt?

Anfang des Jahres hatte die "Los Angeles Times" mit einem umfangreichen Report für Aufsehen gesorgt, der mit dem Titel "Dunkle Wolken über den guten Taten der Gates-Stiftung" überschrieben war. Drei Reporter dokumentierten darin, dass die Stiftung vielfach in Unternehmen investiere, deren Geschäfte der Umwelt schaden oder Krankheiten hervorrufen würden und damit im Widerspruch zu den Zielen der Stiftung stünden.

Investitionen der Gates-Stiftung (Auszüge)

Mehr als 1,5 Milliarden Dollar
Berkshire Hathaway
Kanadische Staatsanleihen
Zwischen 100 Milllionen und einer Milliarde
Abbott Laboratories
Archer Daniels Midland
BP
Canadian National Railway
Exxon Mobil
Freddie Mac
Französische Staatsanleihen
Japanische Staatsanleihen
Merck Co.
Schering Plough
Tyco International
Waste Management
Quelle: "Los Angeles Times" auf Basis von Mitteilungen an die US-Börsenaufsicht SEC und Steuererklärungen

Die "L.A. Times" beschrieb unter anderem, dass die Gates-Stiftung 295 Millionen Dollar in den Mineralölkonzern BP   und 39 Millionen in das Bergbauunternehmen Anglo American   investiert habe. Deren Anlagen seien in Durban, Südafrika, für extreme Umweltverschmutzung verantwortlich. Unter den Auswirkungen litten teilweise dieselben Kinder, die mit Mitteln der Gates-Stiftung gegen Krankheiten geimpft wurden.

Weitere Widersprüche: Die Gates-Stiftung soll laut "Times" bei Schokoladen-Unternehmen investiert haben, denen vorgeworfen wird, von Kinderarbeit profitiert zu haben. Insgesamt seien 41 Prozent des Stiftungskapitals bei Unternehmen angelegt, deren Geschäftspraktiken im Widerspruch zu den philanthropischen Zielen der Stiftung stünden, schätzte die "L.A. Times".

Die angekündigte Überprüfung der Anlagekriterien sei die erste dieser Art, sagte Geschäftsführerin Scott. Sie stehe aber in keinerlei Zusammenhang mit den Vorwürfen der "L.A. Times", beteuerte sie.

itz