Umstrittener Beratervertrag Gerster prüft vorzeitige Auflösung

In der Affäre um den millionenteuren Beratervertrag mit der PR-Firma WMP hat der Chef der Bundesanstalt für Arbeit, Florian Gerster, jede Kritik von sich und seiner Behörde gewiesen. Er will dennoch prüfen, ob der Vertrag früher als geplant beendet werden kann.


Florian Gerster sieht sich einer Medienkampagne ausgesetzt
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Florian Gerster sieht sich einer Medienkampagne ausgesetzt

Berlin - Der im Februar an WMP und Medienberater Bernd Schiphorst vergebene Auftrag zeige bereits erste Erfolge, betonte Gerster am Dienstag in Berlin. "Die Entscheidung war richtig und notwendig."

Angesichts der Kritik kündigte Gerster aber an, den Vertrag mit WMP wenn möglich vorzeitig aufzulösen, sobald Schiphorsts Arbeit abgeschlossen ist. Diese besteht nach Gersters Worten darin, für die BA eine Kommunikationsabteilung aufzubauen, die die Anstalt bisher nicht hatte. Es soll sich dabei einerseits um eine Presse-, andererseits um eine Marketingabteilung handeln.

Schiphorst sei für die Bundesanstalt eine Art Führungskraft auf Zeit. "Er hat das Vertrauen des Vorstands", betonte Gerster. Dieser halte auch die Vergütung in Schiphorsts Vertrag von insgesamt 1,3 Millionen Euro für angemessen.

Gerster bekräftigte seine Ansicht, dass die Vergabe des Auftrags an WMP ohne die eigentlich notwendige Ausschreibung wegen der Eilbedürftigkeit korrekt gewesen sei. Zum Zeitpunkt der Entscheidung im Februar hätten sich die negativen Schlagzeilen über die Bundesanstalt gehäuft. Auch die eigenen Mitarbeiter hätten sich skeptisch über die von der Bundesregierung begonnenen Reform der Anstalt geäußert.

Inzwischen gestalte sich die Berichterstattung über die Bundesanstalt positiver. Auch sei im Berliner Regierungsviertel seltener die Auffassung zu hören, die BA sei nicht reformfähig. Beides schrieb Gerster Schiphorst als Erfolg zu.

Ein Aufschub der Entscheidung über die Verbesserung der Kommunikation der Reformprojekte etwa um drei Monate wäre nicht möglich gewesen, sagte Gerster. Falls man diese Eilbedürftigkeit nicht anerkenne, könne man aber in der Tat Zweifel am Verfahren haben. Deshalb werde dieses überprüft. Der BA-Vorstand werde die Prüfung nach Kräften unterstützen.

Der BA-Chef beteuerte, er habe Schiphorst oder die Firma WMP vor der Auftragsvergabe nicht gekannt. Auf der Suche nach einem geeigneten Berater habe er auf Tipps aus der Medienbranche vertraut, unter anderem auf den Hinweis eines "Spitzenmannes der deutschen Medienwirtschaft". Schiphorst habe ihn in Gesprächen überzeugt.

Gerster attackierte erneut die seiner Ansicht nach beispiellos inszenierte Medienkampagne wegen des Beratervertrags und die übertriebene öffentliche Empörung. Hätte er das jetzige Medienecho vorausgeahnt, wäre er anders verfahren. Dies gelte auch für künftige Fälle.



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