Umstrittener Toyota-Spot Werbung auf Kosten von Problemkindern

Mit einem Werbespot verglich der der japanische Autohersteller Toyota den Gebrauchtwagenkauf mit der Adoption eines Problemkindes. Was als provokative Pointe gemeint war, interpretierten die Zuhörer als Diskriminierungskampagne.


Detroit - Mit theatralischer Stimme hatte der Sprecher Anfang Mai den Kauf eines Gebrauchtwagens als Schicksalsentscheidung bezeichnet - etwa von der Tragweite, die die Adoption eines Problemkindes mit sich bringt.

Zum Glück hatten die Toyota-Werber die Spot zunächst nur in den örtlichen Radiosendern in Salt Lake City und Albuquerque im mittleren West der USA geschaltet. Denn das Echo kam prompt und war vernichtend. Die große Mehrheit der Zuhörer sahen in dem Spot nicht den Anreiz, vor dem Kauf eines Gebrauchtwagens noch einmal gründlich in sich zu gehen, sondern vielmehr eine Diskriminierung verhaltensauffälliger Kinder.

Auch die ortsansässigen Toyota-Händler distanzierten sich von dem Spot. Der Vergleich sei äußerst unsensibel, kritisierte Ernie Riach, Geschäftsführer von Karl Melone Toyota in Albuquerque, und wies gleichzeitig jede Beteiligung daran weit von sich. "Niemand, auch die Kollegen nicht, hätten so einen Spot freigegeben", sagte er. Im Übrigen sei er selbst ein Adopdivkind.

Kaum eine Woche hielten die Verantwortlichen durch, dann gaben sie den wütenden Anrufern nach und setzten den Spot ab. Ein Toyota-Sprecher bemühte sich nachträglich noch um Schadensbegrenzung: "Der Vergleich war ironisch gemeint", entschuldigte er den Fehlgriff.



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