SPIEGEL ONLINE

SPIEGEL ONLINE

21. August 2008, 15:37 Uhr

Umstrukturierung

Telekom schließt 39 Callcenter

Massiver Umbau bei der Telekom: Der Konzern gab bekannt, seine Callcenter künftig an 24 Standorten zu konzentrieren. 8000 Mitarbeiter müssen umziehen oder sich einen neuen Job suchen. Die Gewerkschaft Ver.di kündigt massive Proteste an.

Bonn - Die Deutsche Telekom wird die Zahl ihrer Service-Center von derzeit 63 auf 24 reduzieren. Etwa 8000 der insgesamt 18.000 Vollzeit- sowie Teilzeitmitarbeiter müssten ihren alten gegen einen neuen Standort tauschen, teilte das Bonner Dax-Unternehmen am Donnerstag mit. Die verbleibenden Standorte würden "aufwendig modernisiert". Dafür werde die Telekom in den kommenden beiden Jahren rund 70 Millionen Euro investieren.

Telekom-Chef Obermann: Zusammenlegungen und aufwendige Modernisierungen
DDP

Telekom-Chef Obermann: Zusammenlegungen und aufwendige Modernisierungen

Es werde keine Stellenstreichungen und keine Verlagerungen ins Ausland geben, betonte das Unternehmen. Ein Ver.di-Sprecher sagte SPIEGEL ONLINE, dass dennoch viele Mitarbeiter um ihre Jobs bangen müssten. Für viele Callcenter-Mitarbeiter dürften sich aufgrund der Standortschließungen die Anfahrtswege erheblich vergrößern - dabei blieben mit Sicherheit viele auf der Strecke.

Nach dem Umbau der Callcenter plant der Konzern weitere massive Einschnitte beim Personal. Rund 6000 Mitarbeiter der Netzwerksparte sollen in die im vergangenen Jahr gegründete Niedriglohnsparte T-Service verlagert werden, teilte das Unternehmen mit und bestätigte damit Angaben aus Konzernkreisen. Die Beschäftigten sollen dort zu schlechteren Konditionen arbeiten.

Das Gehalt werde auf das Niveau der Servicegesellschaften gebracht, sagte Personalmanager Dietmar Welslau. Die Telekom hatte im vergangenen Jahr rund 50.000 Beschäftige nach einem harten Konflikt mit der Gewerkschaft Ver.di in T-Service verlagert, wo die Beschäftigten zu schlechteren Konditionen arbeiten.

Ver.di hat die geplante Umstrukturierung der Callcenter scharf kritisiert und erheblichen Widerstand angekündigt. Er sei "erschüttert über die Unverfrorenheit, mit der die Telekom den Kahlschlag bei den Callcentern" betreibe, sagte Ver.di-Bundesvorstandsmitglied Lothar Schröder.

Die Telekom müsse sich auf eine "erhebliche Protestwelle" gegen ihre Pläne einstellen, bekräftigte Schröder. Ver.di werde gemeinsam mit Betriebsräten sowie mit Vertretern aus Politik und Gesellschaft der betroffenen Kommunen gegen die Schließungen vorgehen.

ssu/AFP/dpa-AFX/ddp

URL:

Verwandte Artikel:


© SPIEGEL ONLINE 2008
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung