UMTS-Auktionsende Börsenkurse steigen wieder


Hamburg - An der Börse wurde das Ende der UMTS-Auktion mit Erleichterung aufgenommen. Die Kurse der deutschen Telekommunikationsunternehmen haben nach einem Abschlag am Vormittag ins Plus gedreht.

Die Deutsche Telekom hat ihre Verluste wieder ausgleichen können und kletterte nach Beendigung des Bieterverfahrens um rund eineinhalb Prozent.

MobilCom legte nach Ende der Auktion zu einem Kurssprung an. Von minus neun Prozent sprang das Papier auf ein Plus von zwei Prozent.

E.ON hat sich nach dem Ende der Auktion kaum bewegt und notierte weiter bei 57 Euro mit 3,55 Prozent im Minus. Händler und Analysten verwiesen allerdings auf zuvor teils enttäuschende Halbjahreszahlen sowie auf Gewinnmitnahmen. Außerdem wurde heute bekannt gegeben, dass das Unternehmen seine Beteiligung an VIAG Interkom der Britisch Telecom verkaufen wolle. Damit trägt E.ON kein Risiko mehr bei der Finanzierung der UMTS-Lizenzen.

Den Kurs des spanischen Telekom-Konzerns Telefónica hat die milliardenschwere Ersteigerung einer UMTS-Mobilfunklizenz am Donnerstag allerdings einbrechen lassen. Die Aktien fielen zum Handelsschluss in Madrid um knapp fünfeinhalb Prozent.

Am Nachmittag war die Versteigerung der deutschen UMTS-Lizenzen mit Angeboten von insgesamt 98,8 Milliarden Mark beendet worden. Die Lizenzen wären nach erster Einschätzung von Analystenseite aber bereits viel früher und billiger zu haben gewesen. Vor einigen Tagen in der 131. Runde war schon einmal die Konstellation von sechs Konzessionen gegeben, die damals aber nur 68,5 Milliarden Mark gekostet hätten, wie Christian Lenke von der BHF-Bank am Donnerstag betonte.

Für eine Lizenz hätten dann rund zwölf Milliarden Mark bezahlt werden müssen. Der tatsächlichen Endpreis von rund 16 Milliarden Mark "sollte für die Unternehmen machbar sein", meinte der Experte. Weitere Abschläge an der Börse drohen seiner Ansicht nach nicht. Die Lizenzkosten seien schon in den Kursen eingepreist. Insgesamt sprach Lenke von einem "recht positiven Abschluss" der Auktion.

Auch für Niels Machemehl, Telekommunikations-Analyst der Vereins- und Westbank in Hamburg, waren die Preise für die Lizenzen im Endeffekt "akzeptabel" und nicht zu teuer. Noch im Frühjahr habe man höhere Summen prognostiziert, sagte er.

Seiner Ansicht nach hat das Konsortium 3 G aus Telefónica und Sonera für seine Lizenz zu viel bezahlt. Mit dieser habe man sich nun allerdings auch gut gegen eine mögliche Übernahme der Wettbewerber geschützt, erläuterte Machemehl. Für die Deutsche Telekom und für Mannesmann sei die Auktion preiswerter beendet worden als erwartet, da beide eigentlich drei Frequenzblöcke angestrebt hätten.

Aus finanzieller Sicht sei dies natürlich gut für beide Unternehmen, betonte der Analyst. Die Frage sei nur, ob sich die geringeren technischen Möglichkeiten nicht mittelfristig als Nachteil herausstellten. Die Lizenzpreise für die übrigen Bewerber bezeichnete Machemehl als "im Rahmen der Erwartungen liegend". Sie würden es aber künftig schwerer haben, da 3 G wahrscheinlich aggressiv in den deutschen Markt drängen werde.



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