UMTS-Mobilfunknetz Investitionen von sechs bis zehn Milliarden Mark geplant

Zusätzlich zu den Kosten für die UMTS-Mobilfunklizenzen kommen auf die erfolgreichen Bietunternehmen noch Milliardeninvestitionen für den Netzaufbau zu. Dieser muss nach Auflagen der Regulierungsbehörde zügig vorangehen, was zusätzlichen Druck bedeutet.


[M] DPA;SPIEGEL ONLINE

Hamburg - Die Lizenzen für das neue Mobilfunknetz UMTS sind für knapp 100 Milliarden Mark vergeben worden, jetzt gehen die sechs erfolgreichen Unternehmen auf Einkaufstour. Investitionen von etwa der Größenordnung, wie sie die bisherigen GSM-Mobilfunknetze (D- und E-Netze) erforderten, kommen auf jeden der neuen Betreiber zu, jeweils wahrscheinlich etwa 7,5 Milliarden Mark, wie T-Mobil-Sprecher Philipp Schindera erläuterte. Je nach Unternehmen gibt es über die Kosten der neuen Technik unterschiedliche Meinungen.

Zunächst müssen die Angebote der Zulieferer für den Aufbau der Netze eingeholt werden, meint Schindera. Das werde dadurch erleichtert, dass man sich von GSM her schon seit Jahren kenne. Bei der Telekom-Tochter T-Mobil plant man, erste Installationen und Versuche mit UMTS im Jahr 2002 abwickeln zu können. Der Regelbetrieb soll dann 2003 aufgenommen werden. Bei den anderen Unternehmen ist der Zeitplan ähnlich, was nicht zuletzt durch die Lizenzbedingungen diktiert wird: Diese verlangen die Erreichbarkeit von 25 Prozent der Bevölkerung durch UMTS bis Ende 2003. Bis Ende 2005 soll die Hälfte der Einwohner mit UMTS versorgt werden können.

Der Aufbau des neuen Netzes dürfte, ähnlich wie am Anfang des heutigen GSM-Netzes, zunächst in den Ballungsgebieten beginnen und erst allmählich aufs flache Land vordringen. Schindera versicherte allerdings, die Größe von 25 Prozent umfasse "nicht nur die Millionenstädte".

In den kommenden Jahren will Mannesmann Mobilfunk (D2) eine Summe von zehn Milliarden Mark in den Aufbau der UMTS-Netze investieren. Einschließlich Lizenzkosten summieren sich die UMTS-Kosten damit auf 26,6 Milliarden Mark. Die Finanzierung sei mit der Muttergesellschaft Vodafone abgesprochen und kein Problem. Wie diese enormen Summen auf die Ertragsrechnung durchschlagen, wollte der Vorsitzende der D2-Geschäftsführung, Jürgen von Kuczkowski nicht sagen.

Bei sechs UMTS-Anbietern rechnet Mannesmann künftig mit einem "knallharten" Wettbewerb in Deutschland. Dieser werde aber zu Gunsten der Kunden laufen, sagte Kuczkowski. "Der Markt wird riesig sein", prophezeite er.

Die derzeitigen GSM-Netze würden durch UMTS keineswegs überflüssig werden: "Wir haben ein ausgereiftes GSM-Netz, das in der Sprache eine wichtige Rollen spielen wird", sagte der Mobilfunk-Manager. Über UMTS sollen lediglich die neuen Dienste abgewickelt. Hierzu zählte er beispielsweise interaktive Spiele, Einkaufen und Bezahlen mit dem Handy, Nachrichten abrufen oder Musik vom Internet herunterladen.

Die auf sechs Milliarden Mark geschätzten Anlaufverluste beim Aufbau des UMTS-Netzes wolle sich MobilCom nach Angaben des Vorstandsvorsitzenden Gerhard Schmid mit den Telekom-Ausrüstern Nokia, Ericsson und Nortel teilen. Allerdings dürfte die Mobilfunkzukunft den Gewinn des Unternehmens auf Jahre belasten. Mit dem Erreichen der Gewinnschwelle bei UMTS rechnet Schmid bis Anfang 2006. Die ersten UMTS-Dienste will MobilCom im ersten Halbjahr 2002 anbieten. T-Mobil und Mannesmann bezeichneten diese Prognosen jedoch als illusorisch. Bis Ende dieses Jahres will MobilCom 500 neue Stellen schaffen.

Eine Kapitalerhöhung zur Finanzierung des zusammen mit der France Télécom ersteigerten Frequenzblocks schloss Schmid aus. MobilCom verfüge durch die Beteiligung von France Télécom über ausreichend Grundkapital und werde darüber hinaus Bankkredite aufnehmen. Dazu sei mit mehreren Geldhäusern eine Projektfinanzierung vereinbart worden.

In den kommenden zehn Jahren rechne man bei VIAG Interkom mit Investitionen von rund zehn Milliarden Mark, erklärte der Vorsitzende der Geschäftsführung, Maximilian Ardelt. Den Break-Even wolle das Unternehmen im Jahr 2005 erreichen. Ardelt kritisierte die hohen Preise für die UMTS-Lizenzen, die den Aufbau des Marktes belasten würden.

VIAG Interkom strebe einen UMTS-Marktanteil von 15 bis 20 Prozent an, sagte Ardelt. "Ich sehe uns deutlich an Position drei", sagte er. Durch die Partnerschaft mit British Telecom sei VIAG Interkom in ein europäisches Konzept eingebunden und habe gute Chancen, dieses Ziel zu erreichen. Bis 2002 werde es zunächst darum gehen, die nötige Infrastruktur zu schaffen. Er hoffe, dass der Markt dann 2003 starten könne, sagte Ardelt.



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