UMTS-Netzwerke Einführung verzögert sich

Die Zeitpläne zur Einführung der dritten Mobilfunk-Generation UMTS waren offenbar zu optimistisch. Mit Alcatel rudert jetzt der erste Ausrüster zurück.


[M] DPA;SPIEGEL ONLINE

Cannes - Der französische Handy- und Netzwerk-Hersteller hat als erstes Unternehmen der Branche öffentlich eingestanden, dass die neuen Mobilfunk-Netze nicht vor 2005 in Betrieb gehen werden. Bisher war man allgemein davon ausgegangen, dass der Startschuss zwischen 2002 uns 2003 fallen wird. Bis der neue Standard die Masse der Verbraucher erreicht, könnte es sogar bis 2007 dauern, erklärte Alcatel-Mobilfunk-Chef Michel Rahier gestern auf dem GSM-World Congress in Cannes, einem der wichtigsten Treffen der Branche. Zu dem gleichen Schluss kommt auch der Gründer des amerikanischen UMTS-Konkurrenten Qualcomm, Irvine Jacobs. In einem Interview mit der "Financial Times" sagte er: "Ich glaube nicht, dass wir vor Ende 2004 mit einem nennenswerten Volumen rechnen können".

Die Verzögerung könnte sich dramatisch auf die Finanzlage der Ausrüster und Netzbetreiber auswirken. Denn allein durch die Kredite für Lizenzkosten und Investitionen in die Technik laufen insgesamt mehrere Millionen Mark täglich an Zinsen an.

Speziell für die europäischen und amerikanischen Hersteller sieht UMTS-Experte Falk Müller Feerse vom Marktforscher Durlacher Research zusätzlich die Gefahr, von den Japanern abgehängt zu werden: "Auf dem heimischen Markt werden die japanischen Hersteller schon in diesem Jahr reine UMTS-Geräte anbieten. Bis 2003 werden dann auch UMTS/GSM Dualband-Geräte für Europa marktreif sein."

Nach Abschluss einer Branchenanalyse hat Goldman Sachs denn auch am Freitag zunächst Nokia, Alcatel und Marconi herabgestuft. Nokia kommt allerdings als "Market Outperformer" immer noch besser weg als der Gesamtmarkt. Alcatel sei für Goldman Sachs fortan "Market Performer" und Marconi sogar nur noch "Market Underperformer".

Die Analyse kommt zu dem Ergebnis, dass das Geschäft mit Handys und Telefon-Infrastruktur in Zukunft schwieriger wird. Im Übrigen beziehen sich die Analysten auf Gerüchte, dass Nokia die Prognosen für Handy-Verkäufe zurücknehmen wird.



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