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27. Mai 2008, 10:59 Uhr

Umwelt-Engagement

Brasiliens Geheimdienst ermittelt gegen Regenwaldkäufer

Er ist ein Multitalent, ein erfolgreicher Unternehmer und hat ein ausgeprägtes Umweltgewissen: Johan Eliasch, Chef des britischen Sportartikelherstellers Head sorgt sich um den brasilianischen Regenwald - so sehr, dass jetzt der Geheimdienst des Landes gegen ihn ermittelt.

Rio de Janeiro - Stein des Anstoßes ist Eliaschs Erklärung, das gesamte Amazonasgebiet könne für nur 50 Milliarden Dollar aufgekauft werden. Für die brasilianischen Behörden eine glatte Kriegserklärung, denn damit greift der Spross einer schwedischen Industriellen-Dynastie nach ihrer Überzeugung direkt die Souveränität des Landes an. Aus diesem Grunde werde jetzt gegen den 46-Jährigen ermittelt, berichtet die Zeitung "O Globo".

Über den genauen Inhalt der Vorwürfe wurde nichts bekannt. Für die brasilianische Regierung ist das ausländische Interesse am Amazonas-Gebiet jedoch schon seit längerem ein rotes Tuch. Jüngst hatten britische Politiker den lateinamerikanischen Staat verärgert, als sie erklärten, der Regenwald sei zu wichtig für die Menschheit, als dass er von der brasilianischen Regierung allein verwaltet werden könne. "Der brasilianische Amazonas hat bereits einen Besitzer, dieser Besitzer ist das brasilianische Volk", sagte Staatspräsident Luiz Inácio Lula da Silva am Montag.

Nicht mehr ganz allerdings: Eliasch soll er nach Angaben von "O Globo" bereits 160.000 Hektar Regenwald erstanden haben. Mit seiner Initiative will er auch andere Umweltbewegte zum Landkauf in Brasilien animieren. Als Gründer des Projekts Cool Earth versucht er Sponsoren für den Erhalt von Regenwald zu finden. Bei Treffen mit Geschäftsleuten in den Jahren 2006 und 2007 ermutigte er diese nach Angaben von "O Globo", Regenwald aufzukaufen. So soll er vor illegalen Rodungen durch Bauern und Viehzüchter geschützt werden.

Eliasch, der in London lebt, verfügt über ein geschätztes Vermögen von 790 Millionen Dollar. In der Rangliste der vermögensten Briten belegt er nach einem Bericht des "Guardian" Platz 211. Er berät derzeit auch den britischen Premierminister Gordon Brown zum Thema Waldsterben.

Für seine Organisation Cool Earth erhielt er allerdings nicht nur Lob. Kritiker werfen ihm eine Art "grünen Kolonialismus" vor.

mik/AFP

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