Umwelt-Studie Warum Dosen-Recycling abgeschafft werden sollte

Während die Deutschen noch über die Einführung des Dosenpfandes streiten, sind die Dänen schon einen Schritt weiter. Nach Ansicht von Experten sollte man die Dosen einfach verbrennen, statt sie wiederzuverwerten.
Von André Anwar



Kopenhagen - "Die Studie ergab überraschend, dass beim Recycling der Dosen durch die Umschmelzung nicht viel weniger Kohlendioxid in die Atmosphäre gelangt, als bei einer bloßen Verbrennung", sagt Dorte Vigsø. Sie ist Studienleiterin des renommierten dänischen Instituts für Umweltforschung (IMV), das die ökologischen Wirkungen des Dosen-Recyclings untersucht hat.

Die Ergebnisse der Studie sind keineswegs erfreulich für die Verfechter des Dosen-Recyclings. Zum Umschmelzen der Dosen in neue Dosen werden laut IMV in Dänemark hauptsächlich Maschinen benutzt, die von Wärmekraftwerken Energie beziehen. Dabei werde letztlich fast genau so viel Kohlendioxid in die Atmosphäre abgesondert, wie bei einer bloßen Verbrennung des Abfalls. In die Studie sei auch der Energieverbrauch für die Neugewinnung von Aluminium berücksichtigt wurden. Zudem sei Aluminium auch kein knapper oder giftiger Stoff, so dass auch diese Argumente für eine Wiederverwertung wegfielen.

"Leider läuft das Pfandsystem schon"

Hintergrund der Untersuchung ist eine seit zwei Jahren andauernde Diskussion über die Frage nach dem Umgang mit Dosen. In Dänemark waren Weißblechdosen als Verpackungsmaterial verboten, bis das Europäische Wettbewerbsrecht dem Land die Dose aufzwang. Die dänische Regierung reagierte schnell und führte ein Pfandsystem im Herbst des vergangenen Jahres ein, bereits zwei Monate vor dem Inkrafttreten der rot-grünen Gesetzesvorlage in Deutschland.

Institutsleiter Björn Lomborg meint: "Es ist traurig, dass heutzutage immer häufiger Umweltschutzmaßnahmen ergriffen werden, nur weil sie gut klingen und ohne dass ein gutes ökologisch und ökonomisch durchdachtes Konzept dahinter steckt." Das Pfandsystem kostet Dänemark sechs Millionen Euro mehr, als die Dosen einfach verbrennen zu lassen. Geld, das man effektiver für andere umweltpolitische Maßnahmen einsetzten könnte. Beispielsweise sei es möglich, alle Busse in Kopenhagen mit Partikelfiltern auszustatten. "Leider ist das Pfandsystem in Dänemark bereits am laufen und unsere Studie kam deshalb bei den Entscheidungsträgern in der Regierung auch nicht besonders gut an", sagt Lomborg.

Projektleiterin Vigsø rät den Deutschen zu einer gründlichen Überprüfung der vermeintlichen Recyclingvorteilen von Aluminiumdosen für die Umwelt. "Bevor man ein für alle Beteiligten sehr aufwändiges und teueres Recyclingsystem einführt, sollten die zuständigen Behörden genau analysieren, wie groß der Nutzen eigentlich wirklich ist, um den guten Willen der Endkonsumenten nicht unnötig zu strapazieren." In Ländern mit Energie gewinnenden Verbrennungsanlagen und hoch entwickelten Luftfiltern könne in bestimmten Fällen das Verbrennen die bessere und einfachere Alternative sein.

Besser nicht sortieren

Dorte Vigsø bekommt auch Rückendeckung von anderen skandinavischen Kollegen. Zwei Studien des dänischen Umweltamtes "Miljøstyrelsen" ergaben im Februar, dass Kompostieren und die Wiederverwertung von Plastikprodukten ebenso ineffektiv sind, wie die Dosenwiederverwertung. Auch im Nachbarland Schweden ist eine heftige Debatte entbrannt, nachdem der ehemalige Chef der dortigen Naturschutzbehörde und vier weitere hochkarätige Umweltschutzexperten sich im Februar in einem gemeinsamen, in der größten schwedischen Tageszeitung "Dagens Nyheter" veröffentlichten Dossier massiv dafür aussprachen, nicht nur Dosen sondern auch Einwegverpackungen, Glas, Plastik und Essenreste einfach zu verbrennen. "Es ist besser für die Umwelt den Müll nicht zu sortieren", heißt es im Dossier.