Umweltschutz Australien will die Plastiktüte abschaffen

Das könnte international Schule machen: Die australische Regierung will Plastiktüten abschaffen – und das ohne Ausnahmen. Das Totalverbot soll noch in diesem Jahr in Kraft treten. Umweltschützer sind erfreut, Millionen Kunden betroffen.

Sydney – Es soll alles ganz schnell gehen. Umweltminister Peter Garrett kündigte an, ein detaillierter Plan für die Einführung der neuen Regeln solle bis April fertig werden. Er wolle sich dazu mit den Bundesstaaten abstimmen. Der Labor-Minister will seine Anti-Tüten-Initiative dann bis Ende des Jahres umgesetzt haben.

Damit geht Australien radikale Wege beim Umweltschutz. Erst gestern hatte China seine Politik gegenüber Plastiktüten verschärft: Von Juni an soll es in Läden der Volksrepublik keine Gratis-Kunststoffbeutel mehr geben, extra-dünne Tüten sollen ganz verboten werden. Australien hingegen will sämtliche Plastiktüten durch Alternativen ersetzen.

Der australische Einzelhandelsverband kritisierte das Vorhaben. "Plastiktüten gehören zu unserem Leben", sagte der Vorsitzende Richard Evans. "Man kann das Verhalten der Menschen nicht mit Gesetzen ändern." Die Herstellung von Alternativen, etwa von Papiertüten, werde nur die Emission von Treibhausgasen steigern.

Jedes Jahr werden in Australien nach Schätzungen vier Milliarden Plastiktüten aus den Geschäften getragen. Australien gehört - pro Kopf der Bevölkerung gemessen - zu den größten Klimaverschmutzern der Welt. Das liegt in erster Linie an der umfangreichen Kohleförderung.

Das Bewusstsein der australischen Verbraucher zum Umweltschutz ist wenig entwickelt. Es gibt zum Beispiel keine Mülltrennung. Im vergangenen Jahr kündigte die Regierung ein Ende der konventionellen Glühbirne an. Von 2010 an sollen dürfen nur noch Energiesparlampen verkauft werden.

itz/dpa/AFP

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