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01. Juni 2019, 16:05 Uhr

Umweltschutz

Tansania führt Plastiktütenverbot ein

Afrikanische Länder machen Ernst mit dem Umweltschutz: Nach Kenia und Ruanda hat nun auch Tansania ein Verbot von Plastiktüten verhängt. Bei Verstößen drohen empfindliche Geldstrafen oder Haft.

61 Länder, darunter Frankreich und China, haben inzwischen die Herstellung und den Import von Plastiktüten verboten, 83 Staaten den kostenlosen Vertrieb. Afrikanische Länder wie Ruanda und Kenia sind schon länger Teil dieser Umweltschutzbewegung, seit diesem Samstag folgt ihnen auch Tansania, das nach Bevölkerung fünfgrößte Land des Kontinents. Ab sofort droht Herstellern von Plastiktüten in dem ostafrikanischen Staat eine Geldstrafe von bis zu einer Milliarde tansanischer Schillinge (etwa 390.000 Euro) oder zwei Jahre Haft, das sagte January Makamba, Staatssekretär für Umwelt im Büro des Vizepräsidenten, der Presseagentur dpa.

Aber auch der Verbraucher muss bei Verstoß gegen das Verbot mit empfindlichen Strafen rechnen: Ein Plastiktütenbenutzer könnte demnach mit 30.000 Schillingen (etwa 12 Euro) oder zwei Wochen Gefängnis bestraft werden. Plastik für medizinische Zwecke, für Landwirtschaft oder Bauindustrie seien von dem Verbot ausgenommen.

Verkündet wurde das Verbot bereits im April, allerdings beschwerten sich einige Bürger Tansanias darüber, dass ihnen nicht genug Zeit blieb, sich auf die Umstellung vorzubereiten. "Die Regierung besteht auf die Nutzung von alternativen Tragetaschen, aber diese gibt es nicht auf dem Markt", sagt etwa Khalfan Khamis, ein Plastiktütenhändler in Daressalam, laut dpa.

Nummer eins der Umweltverschmutzung

Umweltschützer lobten indes die Entscheidung der tansanischen Regierung. "Plastik ist die Nummer eins der Umweltverschmutzer", sagte der tansanische Chef der Umweltorganisation World Wildlife Fund (WWF), Amani Ngusaru.

Deutschland tut sich noch schwer mit dem Plastik. Hierzulande gibt es bisher nur eine mit dem Handel getroffene Vereinbarung, freiwillig Geld für die Tragetaschen zu verlangen. Zuletzt hatte Entwicklungshilfeminister Gerd Müller (CSU) ein Plastiktütenverbot gefordert.

Experten mahnen jedoch, dass ein Verbot nicht unbedingt zielführend sei: Alternativen wie die Papiertüte seien nicht zwingend besser für die Umwelt, außerdem mache die Plastiktüte nur einen kleinen Teil des anfallenden Plastikmülls aus. Zudem greifen selbst die bisher eher weichen Maßnahmen schon: Seit 2016 hat sich der Pro-Kopf-Verbrauch von Plastiktüten beinahe halbiert. Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) sieht ihre Strategie bestätigt, den Handel mit in die Verantwortung zu nehmen. Das könne aber nur der Anfang sein, sagte Schulze kürzlich der ARD: "Mein Ziel ist es, dass wir den Plastikverbrauch insgesamt auf ein sinnvolles Maß reduzieren."

bor/dpa

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