Umweltschutz Verbot von Einweg-Plastik kommt Mitte 2021

Das Aus für Plastikbesteck, Plastik-Wattestäbchen und Einwegbecher aus Styropor rückt näher. Die Bundesregierung brachte am Mittwoch ein entsprechendes Gesetz auf den Weg. Umweltschützer sind trotzdem unzufrieden.
Plastikmüll am Ostseestrand: Nur die Mindestanforderungen der EU

Plastikmüll am Ostseestrand: Nur die Mindestanforderungen der EU

Foto: Angelika Warmuth/ picture alliance / dpa

"Viele Einwegprodukte aus Kunststoff sind überflüssig und kein nachhaltiger Umgang mit Ressourcen", teilte Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) mit. Viel zu oft endeten Kunststoffe zudem in der Umwelt oder den Meeren. "Wenn die weltweite Vermüllung so weitergeht, haben wir 2050 mehr Plastik als Fisch in unseren Weltmeeren." Das Verbot werde zu besseren und umweltfreundlichen Produkten führen. "Vor allem Mehrweg ist aus Umweltsicht das Mittel der Wahl."

Ende 2018 war in Brüssel der Beschluss gefallen, ab Sommer 2021 in der Europäischen Union Einwegprodukte aus Kunststoff, für die es gute Alternativen gibt, zu verbieten. Das betrifft Wattestäbchen, Plastikbesteck und -teller, Strohhalme, Rührstäbchen etwa für den Kaffee, Luftballonstäbe sowie Styroporbecher und -behälter für Essen zum Mitnehmen. Außerdem gilt das Verbot für Produkte aus Kunststoffen, die durch eine Reaktion mit Sauerstoff - Oxidation genannt - in winzige Teile zerfallen.

Steigende Müllmengen wegen Corona

In der Coronakrise hatten Entsorger zuletzt insgesamt steigende Müllmengen gemeldet - aus Angst vor dem Virus wird demnach öfter auf Einwegartikel gesetzt. Ab 3. Juli 2021 soll es nun eine Ordnungswidrigkeit werden, etwa Plastikbesteck zu verkaufen. Alternativen könnten in Zukunft etwa Holzgabeln an Imbissbuden sein oder bei Gartenpartys mehrfach verwendbare Trinkhalme aus Glas, stabilem Kunststoff oder anderen Materialien. Wattestäbchen gibt es in den Drogeriemärkten längst auch mit einem Stiel aus Papier zu kaufen.

Die Produkte, die verboten werden, machten etwa ein Zehntel des Müllvolumens auf Straßen und in öffentlichen Mülleimern der Kommunen aus, in Einzelfällen sogar bis zu einem Fünftel, sagte der Vizepräsident des Verbandes kommunaler Unternehmen (VKU), Patrick Hasenkamp. Bei der Umsetzung der EU-Richtlinie liege der Teufel im Detail: Einwegplastik dürfe nicht einfach durch Einwegprodukte aus anderem Material ersetzt oder Einwegprodukte als "mehrfach verwendbar" deklariert werden.

Auch die Deutsche Umwelthilfe ist nicht zufrieden. Umweltministerin Schulze wolle nur Mindestanforderungen der EU realisieren, sagte Abfallexperte Thomas Fischer. "Das ist ambitionslos und wird der Rolle Deutschlands als Zugpferd innerhalb der Europäischen Union nicht gerecht." Eine Ausweitung des Verbots auf alle Einweggetränkebecher und Essensboxen aus Kunststoff wäre ebenso notwendig wie eine verbindliche Mehrwegförderung und eine nachvollziehbare Abgrenzung von Einweg- und Mehrwegprodukten.

Das geplante Verbot von Plastiktüten an der Ladenkasse ist übrigens eine andere Baustelle und hat mit der EU-Verordnung nichts zu tun. Das Tütenverbot hatte das Kabinett schon Ende 2019 beschlossen - der Gesetzentwurf ist im parlamentarischen Verfahren - und war schon Thema im Umweltausschuss des Bundestags.

Das EU-Verbot zielt auf Plastikartikel, die der Kommission zufolge besonders oft an den Stränden der Mitgliedstaaten gefunden werden. Auch die deutschen Küsten sind nach Angaben des Umweltbundesamts verschmutzt. Im vergangenen Jahr hatte die Behörde angegeben, an der Nordsee würden 390 Müllteile pro hundert Meter gefunden und an der Ostsee 70 - der Großteil davon aus Plastik.

mik/dpa-AFX
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