Unabhängigkeitsstreben Bush setzt auf Atomstrom

Statt länger von den Öl-Multis abhängig zu sein, will US-Präsident George W. Bush in der Energiepolitik neue Wege gehen: Er setzt auf Atomenergie und will mehrere Kernkraftwerke bauen lassen. Sein Vorbild ist Frankreich.

Washington - Den Vorstoß zur Förderung von Atomenergie unternahm US-Präsident George W. Bush in seiner wöchentlichen Rundfunkansprache, und dabei gab er sich betont umweltbewusst: "Mit Atomkraft können große Mengen billigen Stroms erzeugt werden, ohne die Luft zu verschmutzen oder Treibhausgase zu produzieren", sagte Bush. Er kündigte an, dass bis zum Ende des Jahrzehnts neue Atomkraftwerke in den USA gebaut werden sollten. Die neuesten Atomkraftwerke in den Vereinigten Staaten stammen aus den siebziger Jahren.

Vorbild in Sachen Energieversorgung ist für den US-Präsidenten Frankreich. Dort kämen mehr als 78 Prozent der Elektrizität aus Atomkraftwerken, in den USA seien es bisher nur 20 Prozent. Atomenergie habe aber das Potenzial künftig eine weitaus größere Rolle zu spielen, nicht nur in den USA auch global, sagte Bush.

Seine Absicht, in den kommenden Jahren in Atomenergie zu investieren und auch verstärkt auf erneuerbare Energien zu setzen, hatte Bush bereits im Januar in seiner Rede zur Lage der Nation bekundet. Dabei ließ der US-Präsident keinen Zweifel daran, dass hinter seinen Bestrebungen ein klares Ziel steckt: mehr Unabhängigkeit von den Energiequellen anderer Länder. Er wolle die Ölimporte aus dem Nahen Osten bis zum Jahr 2025 um 75 Prozent verringern, hatte Bush angekündigt. Sein Land habe sich in seiner "Sucht" nach Öl von "instabilen Teilen der Welt" abhängig gemacht, warnte Bush und kündigte an, er wolle neben Atomenergie in Zukunft auch auf erneuerbare Energien setzen, etwa Wind- und Solarenergie. Erst am Freitag hatte die Regierung in Venezuela gedroht, den USA den Ölhahn abzudrehen.

Mit der Rundfunkansprache am Samstag machte der US-Präsident nun klar, dass Atomenkraft wesentlicher Bestandteil seiner Energie-Offensive sein soll. Nach dem Willen von Bush soll die Zusammenarbeit mit anderen Ländern im Sinne einer "nuklearen Partnerschaft" dabei einen wichtigen Stellenwert einnehmen. Man müsse gemeinsam zwei Herausforderungen bewältigen: Atommüll sicher entsorgen und außerdem gewährleisten, dass Nukleartechnologie und -technik nicht in die Hände von Terroristen oder terroristischen Staaten gerate.

Bush sagte, die USA wollten mit Ländern wie Frankreich, Japan und Russland zusammenarbeiten und dabei auch kleineren Ländern helfen, Atomenergie für zivile Zwecke zu nutzen. Dafür wolle Washington 250 Millionen Dollar (etwa 210 Millionen Euro) zur Verfügung stellen. Nach Bushs Vorstellungen sollen die USA und andere Atommächte Entwicklungsländern Reaktoren bereitstellen und ihnen den atomaren Brennstoff leihen. Die abgebrannten Brennstäbe würden dann wieder zurückgenommen und recycelt. "Damit könnten wir mehr Energie produzieren und den atomaren Abfall drastisch verringern sowie die atomaren Nebenprodukte eliminieren, die instabile Regime und Terroristen zum Bau von Waffen verwenden könnten", sagte Bush.

Bushs Atomenergie-Initiative stieß bei mehreren Kongressmitgliedern in Washington auf herbe Kritik: "Wir gehen ein enormes Risiko ein, wenn wir diesen Weg gehen", zitierte die "Chicago-Sun-Times" Senatorin Hillary Rodham-Clinton von den Demokraten. Das Risiko von Atomkraftwerken würde mehr "Gefahren und Fragen aufwerfen als Antworten bieten".

Unabhängigkeit bei der Energieversorgung streben nicht nur die USA an. Erst in der vergangenen Woche hatte Schweden angekündigt, bis zum Jahr 2020 völlig unabhängig von fossilen Rohstoffen sein zu wollen. Der skandinavische Staat setzt bei dem radikalen Energiewechsel allerdings auf andere Alternativen als Atomenergie. Man will erneuerbare Energien fördern, beispielweise Windkraft und Biomasse.

fok/afp/MarketWatch

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