Undurchsichtige Preissprünge Verbraucher beklagen Rabatttricks von Media Markt

Die jüngste Rabattaktion von Media Markt treibt die Verbraucherschützer auf die Barrikaden. Sie werfen dem Discounter vor, bei seiner spektakulären Preissenkungs-Aktion unter dem Motto "Am 3.1. zahlt Deutschland keine Mehrwertsteuer" mit unsauberen Tricks gearbeitet zu haben.

Berlin - Der Bundesverband Verbraucherzentralen mahnte deshalb Niederlassungen des Unternehmens im Saarland und in Baden-Württemberg wegen irreführender Preiswerbung ab. "Beschwerden von Verbrauchern legen nahe, dass Media-Märkte im Vorfeld der Werbeaktion den Preis für einige Produkte hoch gesetzt haben", begründete der Jurist der Verbraucherzentralen, Egbert Groote, die Abmahnung. Viele verärgerte Kunden hätten sich bei der Verbraucherzentrale beschwert, weil das Preisschild an den gewünschten Produkten am Aktionstag deutlich höher gewesen sei als an den Tagen zuvor.

So sei nach Angaben eines Kunden in der Media-Markt-Filiale in Homburg kurz vor Silvester ein digitaler Camcorder für 299 Euro verkauft worden. Das gleiche Gerät sei dann am Aktionstag mit 349 Euro ausgezeichnet gewesen. Abzüglich des Mehrwertsteuer-Rabatts wäre damit eine Ersparnis von weniger als sechs Euro übrig geblieben.

Ähnliche Erfahrungen hätten Kunden im Saarland, in Nordrhein-Westfalen und in Baden-Württemberg bei einer ganzen Reihe von Produkten gemacht, berichtete die Verbraucherzentrale. So sei ein DVD-Brenner Kundenangaben zufolge mit 129 Euro statt 111 Euro ausgezeichnet gewesen. Das Preisschild an einem Computermonitor sei von 999 auf 1099 Euro erhöht worden. "Laut Wettbewerbsrecht ist es unzulässig, mit besonderen Preisherabsetzungen zu werben, wenn tatsächlich keine oder nur unerhebliche Preissenkungen stattgefunden haben", rügte Groote.

Rechenkunst mit der Mehrwertsteuer

Die undurchsichtigen Preissprünge sind aber nicht die einzige Verfehlung, die die Verbraucherschützer dem Discounter vorwerfen. Media Markt hatte damit geworben, dem Kunden die Mehrwertsteuer auf alle Waren zu erlassen. Bei einigen Kunden sei so der Eindruck entstanden, es handle sich um einen Nachlass in Höhe von 16 Prozent. Tatsächlich aber, so rechnete der Bundesverband der Verbraucherzentralen vor, liege der gewährte Rabatt nicht bei 16 Prozent, sondern lediglich 13,79 Prozent. Denn der Rabatt beziehe sich nicht auf den Brutto-, sondern auf den Nettopreis.

Ein Beispiel: Kostet ein Produkt ohne Mehrwertsteuer 100 Euro (Nettopreis) ergeben sich inklusive Umsatzsteuer 116 Euro (Bruttopreis). Würde man von diesem Betrag jedoch einfach 16 Euro wieder abziehen, betrüge der Preisabschlag 13,79 Prozent.

Media-Markt-Sprecher Bernhard Taubenberger wies die Vorwürfe allerdings entschieden zurück: "Glauben Sie bitte nicht, dass wir in eine so groß angelegte Aktion mit billigen Taschenspielertricks gehen. Wir haben in 25 Jahren zu viel Kundenvertrauen aufgebaut, als dass wir das durch solche plumpe Trickserei riskieren würden." Media-Markt habe seine Produkte "definitiv nicht" höher ausgezeichnet, um sie anschließend mit Abschlag zum ursprünglichen Preis verkaufen zu können. Allerdings seien die Preise in den Märkten immer in Bewegung.

Media Markt mit der Aktion zufrieden

Die Werbeaktion hatte am 3.Januar zu einem wahren Ansturm auf die Media-Markt-Filialen geführt. "Wir hatten volle Zufahrtsstraßen, volle Parkplätze und volle Märkte", zog Taubenberger zufrieden Bilanz.

Angesichts immer aggressiverer Werbeformen empfehlen die Verbraucherzentralen den Kunden, auch bei spektakulären Rabattaktionen einen kühlen Kopf zu bewahren. "Ein Gespräch mit dem Fachhändler um die Ecke kann manchmal ebenso effektiv sein", erklärten die Verbraucherzentralen.

Bestätigt fühlen sich die Verbraucherschützer durch eine von der Fachhochschule Bonn-Rhein-Sieg durchgeführte Studie, die in dieser Woche vom "Handelsblatt" veröffentlicht wurde. Danach liegt das Preisniveau beim MediaMarkt zwar unter dem Branchen-Durchschnitt. Doch seien manche Konkurrenten noch günstiger. MediaMarkt hatte die Untersuchung allerdings als unseriös kritisiert.

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