Unfallversicherung Welche Angebote Senioren helfen

Senioren-Unfallversicherungen sollen nach einem Unfall Hilfen im Haushalt und bei der Pflege organisieren und bezahlen. Stimmen die Leistungen, kann die Police für Senioren sinnvoll sein - vor allem für alleinstehende. Finanztest hilft bei der Wahl der richtigen Police.


Hamburg - Aus kleinen Unfällen erwachsen oft große Schwierigkeiten: Vor allem bei älteren Menschen kann zum Beispiel ein Sturz so gravierende Folgen haben, dass sie auf fremde Hilfe angewiesen sind. Dafür bieten Versicherer inzwischen extra Senioren-Unfallpolicen in einer Fülle von Varianten an.

Allerdings ist nicht jedes Angebote sinnvoll - etwa, wenn der Anbieter nur Ansprechpartner vermittelt, statt die Hilfe im Haushalt und bei der Pflege wirklich zu organisieren und zu bezahlen. Im aktuellen Test spielten deshalb die Hilfeleistungen die größte Rolle. Finanztest empfiehlt nur Angebote, die umfassende Hilfe für die ersten sechs Monate nach dem Unfall bieten. Sie sind im Testkompass enthalten.

Folgende Hilfeleistungen sollte eine Senioren-Police mindestens bieten:

  • Kostenübernahme: Der Versicherer gewährt und bezahlt alle Hilfeleistungen. Alternative: Er erstattet nachträglich die Kosten für Leistungen, die sich der Kunde selbst organisiert.
  • Dauer: Der Versicherer gewährt und bezahlt alle Hilfeleistungen nach einem Unfall mindestens für sechs Monate.
  • Menüservice, Einkäufe und notwendige Besorgungen: Der Verunglückte erhält täglich ein Menü. Zudem wird für ihn einmal wöchentlich mindestens zwei Stunden eingekauft. Die eingekauften Waren muss er selbst bezahlen.
  • Begleitung bei Arzt-, Therapie- und Behördengängen: Der Versicherte wird einmal wöchentlich zum Ziel in einem Umkreis von mindestens 25 Kilometern vom Aufenthaltsort begleitet.
  • Reinigung der Wohnung und Wäscheservice: Es wird einmal wöchentlich zwei Stunden geputzt und zwei Stunden gewaschen, getrocknet und gebügelt.
  • Hausnotrufdienst: 24-Stunden-Erreichbarkeit. Der Versicherer sollte die Installation des Notrufs bezahlen und die monatlichen Kosten tragen.
  • Pflegeleistungen: Der Versicherte erhält täglich mindestens 45 Minuten Grundpflege entsprechend Pflegestufe I der gesetzlichen Pflegeversicherung.

Darüber hinaus sollte ein Anbieter bestimmte Hilfen zumindest organisieren oder vermitteln, wenn auch nicht bezahlen - etwa die Unterbringung von Haustieren oder Beratung für den Umbau der Wohnung oder des Autos. Auch sollte er zur gesetzlichen Pflegeversicherung beraten und den Betroffenen bei der Auswahl und Anschaffung von notwendigen Hilfsmitteln unterstützen.

Wer ausschließlich auf solche Hilfeleistungen setzt, bekommt eine gute Police schon für unter hundert Euro im Jahr - etwa von der Arag, der Huk-Coburg Allgemeine, Signal Iduna oder VRK. Wer aber auch für den Fall vorsorgen möchte, dass nach einem Unfall ein bleibender Schaden zurückbleibt, sollte eine Police mit Hilfeleistungen und einer größeren Kapitalzahlung bei Invalidität wählen - im Modellfall von Finanztest mindestens 50.000 Euro bei einer Invalidität von mindestens 50 Prozent. Die günstigsten Angebote liefern hier Arag, Huk-Coburg Allgemeine und die VRK.

Hilfe nur nach Unfall, nicht bei Krankheit

Angebote mit Kapitalauszahlung sind sinnvoller als solche, die bei einem bleibenden Gesundheitsschaden eine Rente zahlen. Gründe: Betroffene können den größeren Betrag sofort einsetzen - etwa für einen notwendigen Wohnungsumbau. Den Rest können sie anlegen. Sollte jemand kurz nach einem Unfall sterben, kann er das Geld vererben. Das geht mit einer Rente nicht.

Hinzu kommt: Fast alle Angebote mit Kapitalzahlung leisten anteilig bereits ab einem Prozent Invalidität. Dagegen erhalten viele Senioren aus einer Unfallpolice mit Rentenleistungen überhaupt kein Geld, da sie die in der Regel notwendige Invalidität von 50 Prozent nicht erreichen.

Grundsätzlich gilt: Senioren-Unfallversicherungen leisten nur bei Hilfsbedürftigkeit nach einem Unfall, also nicht bei Hilfsbedürftigkeit aufgrund einer Krankheit. Weiteres Problem: Bei den Tarifen mit Geldleistung ziehen die Versicherer von der festgestellten Invalidität in der Regel wieder etwas ab, wenn jemand bereits größere krankheitsbedingte Vorschäden hatte.

Einzelne Versicherer bieten jedoch zumindest bei einigen Erkrankungen Hilfe an - gegen einen höheren Beitrag, versteht sich. Viele Tarife helfen auch bei der Pflege einer weiteren Person. Dann kann der Versicherte auch nach einem Unfall sicher sein, dass ein ansonsten von ihm versorgter pflegebedürftiger Angehöriger weiterhin ausreichend betreut wird.



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