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05. Februar 2008, 00:11 Uhr

Unicef

Spendensiegel des Kinderhilfswerks wird überprüft

Dem Kinderhilfswerk Unicef drohen zusätzliche Turbulenzen: Als Konsequenz aus den Verschwendungsvorwürfen überprüft das Deutsche Zentralinstitut für soziale Fragen (DZI) jetzt das Spendensiegel. Zudem will auch Rekordschwimmerin Sandra Völker die Hilfsorganisation nicht mehr repräsentieren

Berlin - "Wir schauen, ob die Vorwürfe irgendwelche Konsequenzen auf das Spendensiegel haben", sagte der Bundesgeschäftsführer des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI), Burkhard Wilke, den "Stuttgarter Nachrichten".

Das DZI vergibt das Siegel, das als Entscheidungshilfe für Spender dienen kann, auf der Basis von mehreren Kriterien. Dazu zählen unter anderem, dass Spenden nachprüfbar und sparsam verwendet werden und grundsätzlich keine Prämien, Provisionen oder Erfolgsbeteiligungen für die Vermittlung von Spenden gezahlt werden dürfen.

Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG wirft der deutschen Sektion des Kinderhilfswerks vor, einen von ihr erstellten Kontrollbericht zu Verschwendung und Misswirtschaft beschönigt zu haben. Unicef verteidigte indes sein Vorgehen und erklärte, in dem Bericht seien keine Verschwendung von Geldern, keine Unregelmäßigkeiten und keine Satzungs- oder Gesetzesvorstöße festgestellt worden.

Die frühere SPD-Spitzenpolitikerin Heide Simonis war daraufhin am Wochenende als Unicef-Vorsitzende zurückgetreten und hatte dies mit unüberbrückbaren Meinungsverschiedenheiten begründet. Der Vorstand sei in seiner jetzigen Zusammensetzung nicht bereit, für transparente Finanzstrukturen zu sorgen, sagte Simonis.

Mit der Weltklasse-Schwimmerin Sandra Völkler verlor das Kinderhilfswerk am Montag auch die erste prominente Unterstützerin. "Der Entschluss ist mir nicht leicht gefallen", sagte die 11-malige Weltrekordlerin dem "Hamburger Abendblatt". Der für Unicef entstandene Imageschaden hänge nicht nur mit der Verwendung von Spendenmitteln zusammen, sondern sei das Produkt einer katastrophalen Kommunikationspolitik seitens der Geschäftsführung. Simonis' Rücktritt habe nach zehn Jahren Mitarbeit auch ihren Rückzugsentschluss reifen lassen.

cjp/Reuters/AP/dpa

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