United Airlines Größte Luftfahrt-Pleite aller Zeiten

Die zweitgrößte US-Fluggesellschaft, United Airlines, hat Schutz vor ihren Gläubigern beantragt. Die Aktie ihres Partners Lufthansa ist deutlich ins Minus gerutscht.


Fliegen ohne finanzielle Basis: United-Airlines-Flugzeuge in Tokio
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Fliegen ohne finanzielle Basis: United-Airlines-Flugzeuge in Tokio

Chicago - Das Unternehmen reichte den Antrag am Montagmorgen in Chicago ein. Es sucht damit Gläubigerschutz nach Kapitel elf des US-Konkursrechts, das eine Sanierung und ein Fortdauern des Betriebes erlaubt. Die United-Holding UAL sei nicht in der Lage, diese Woche fällige Kredite in Höhe von 920 Millionen Dollar zu begleichen, hieß es zur Begründung. Es ist die größte Insolvenz in der Luftfahrtgeschichte.

Für die Kunden der LufthansaChart zeigen, die mit United im Rahmen der Star Alliance kooperiert, soll der Konkursantrag zunächst keine Auswirkungen haben. Sämtliche Tickets und die Bonusmeilenprogramme blieben gültig, sagte Lufthansa-Sprecher Klaus Walther. Die Nordatlantik-Verbindungen würden aufrechterhalten.

"Wir werden das durchstehen"

Zugleich bekräftigte die Lufthansa ihre Bereitschaft zur Hilfe. Es liefen Gespräche, in welcher Form bei Absicherung des Risikos auch ein finanzielles Engagement der Lufthansa möglich sei, sagte Konzernsprecher Klaus Walther. In Branchenkreisen wird spekuliert, dass dazu auch eine Kapitalbeteiligung der Lufthansa an ihrem langjährigen Partner gehört. Der Kurs der Lufthansa-Aktien gab im Handelsverlauf immer weiter nach und notierte gegen 14 Uhr bei 10,33 Euro, ein Minus von 2,5 Prozent.

United hatte bereits angekündigt, auch im Fall eines Konkursantrages weiter fliegen zu wollen. Ein Sprecher der United-Piloten appellierte noch am Sonntag an alle Passagiere, dem Unternehmen nicht den Rücken zu kehren. "Wir werden weiterfliegen, heute, morgen, nächste Woche und nächstes Jahr", sagte Herb Hunter. "Wir wollen nicht, dass uns die Leute aufgeben, denn wir werden das durchstehen."

Hilfskredit schon auf dem Weg?

United leidet unter sinkenden Passagierzahlen und der zunehmenden Konkurrenz durch Billigflieger. Im vergangenen Jahr wies die Airline ein Rekordminus von 2,1 Milliarden Dollar aus. In diesem Jahr könnte dieser Betrag sogar noch höher liegen. Die US-Regierung hatte in der vergangen Woche eine Bürgschaft für das Unternehmen abgelehnt. UAL hatte wiederholt um eine öffentliche Bürgschaft für 1,8 Milliarden Dollar gebeten. Die Airline-Hilfsbehörde befand aber das Sanierungskonzept der Fluggesellschaft für ungenügend. Mehrere Gewerkschaften der Mitarbeiter hatten sich lange gegen Lohnkonzessionen gesträubt, obwohl 55 Prozent der Aktien im Besitz der Beschäftigten sind.

Nach langwierigen Verhandlungen hat sich UAL aber offenbar mit Gläubigerbanken auf eine Finanzierung in Höhe von 1,5 Milliarden Dollar geeinigt. Laut "New York Times" soll United zehn Tage nach der Konkurserklärung 800 Millionen Dollar überweisen bekommen.

Auch der Adler ist bedroht

Auch der Branchenprimus American Airlines steckt in Nöten. Im nächsten Jahr will AA noch mehr Mitarbeiter entlassen, Flugzeuge einmotten und Bestellungen stornieren. Vorstandschef Donald Carty sagte am Wochenende, man müsse jährlich vier Milliarden Kosten einsparen. Er bat die Belegschaft daher, im kommenden Jahr auf Lohnerhöhungen zu verzichten. Dies würde immerhin 130 Millionen Dollar einsparen.

In den ersten drei Quartalen dieses Jahres meldete die größte Fluggesellschaft der Welt einen Verlust von drei Milliarden Dollar. Die Hälfte des Sparzieles von vier Milliarden will AA durch Kündigungen von Mitarbeitern, die Stornierung von Bestellungen und durch das Parken von Flugzeugen erreichen.



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