United Internet "Wenn wir die Nummer zwei bleiben, wäre das schon toll"

United Internet überlebte den Börsencrash - und ist mittlerweile zweitgrößter DSL-Anbieter in Deutschland. Trotz kräftigen Umsatz- und Ergebnisschubs reagiert die Börse verhalten. Firmengründer Ralph Dommermuth erläutert im Interview mit SPIEGEL ONLINE, wie das Unternehmen weiter wachsen will.


SPIEGEL ONLINE: Herr Dommermuth, Sie haben im Geschäftsjahr 2005 ihren Umsatz um 57 Prozent gesteigert. Wie lang kann das so weitergehen?

United-Internet-Gründer Dommermuth: "Jeder Euro Umsatzplus schlägt gleich voll auf das Ergebnis durch"
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United-Internet-Gründer Dommermuth: "Jeder Euro Umsatzplus schlägt gleich voll auf das Ergebnis durch"

Dommermuth: Das letzte Jahr ist in der Tat gut gelaufen. Das hängt damit zusammen, dass wir unseren Abonnentenstamm immer weiter aufbauen. Letztendlich haben wir ein Geschäftsmodell wie ein Versorger: Wir liefern den Leuten statt Gas und Wasser eben Bits und Bytes. Und die Leute zahlen dafür jeden Monat, wir haben mittlerweile über fünf Millionen zahlende Kunden. Daneben ist der Bereich Online-Marketing ins Laufen gekommen. Internetwebung hat stark an Gewicht gewonnen. Wir merken das bei unseren Marketingtöchtern adlink, sedo und affilinet, aber auch im Portalgeschäft mit gmx, web.de und 1&1. Jeder Euro Umsatzplus schlägt gleich voll auf das Ergebnis durch, weil unsere Kosten konstant bleiben. Aber natürlich werden wir den Umsatz nicht auf Ewigkeit jedes Jahr um so viel steigern können.

SPIEGEL ONLINE: Die meisten Ihrer Kunden nutzen aber nur die kostenlosen Angebote von gmx und web.de, anstatt die kostenpflichtigen Premiumangebote in Anspruch zu nehmen. Warum sollte das in Zukunft anders werden?

Dommermuth: Wir haben insgesamt über 18 Millionen Kunden, die unsere Dienstprodukte regelmäßig nutzen. Eine Million davon zahlt auch, weil sie eben höherwertige E-Mail-Dienste mit mehr Speicherplatz und mit integrierten SMS und so weiter benötigen.

SPIEGEL ONLINE: Das sind gerade mal etwas mehr als fünf Prozent.

Dommermuth: Die Vorteile der kostenpflichtigen Angebote stellen wir unseren Kunden ständig vor, und viele, wenn auch nicht alle, entscheiden sich dafür. So kommen ja unsere eine Million Kunden zustande, die für ihr E-Mail-Konto zahlen. Als absolute Zahl ist das doch schon mal ein Wort. Sie dürfen außerdem nicht vergessen: Es gibt ja noch Produkte wie DSL-Anschlüsse, die nie umsonst sind. Dafür muss man weltweit immer Geld bezahlen. Das haben die Kunden gelernt und machen es auch gerne.

SPIEGEL ONLINE: Gleichwohl übertrumpfen sich die Anbieter mit Köderangeboten. So sind Sie im DSL-Geschäft die Nummer zwei geworden. Machen Sie sich Hoffnungen, die Nummer eins zu werden?

Dommermuth: Wir haben jetzt 1,76 Millionen DSL-Kundenverträge. Damit sind wir mit deutlichem Abstand zu T-Online die Nummer zwei. Ich würde den Mund zu weit aufreißen, wenn ich etwas anderes behaupten würde. Den Nummer-eins-Platz, den wird T-Online mit 4,45 Millionen Kunden in Deutschland wohl schon für längere Zeit einnehmen. Aber wenn wir die Nummer zwei bleiben, dann wäre das schon toll.

SPIEGEL ONLINE: Apropos: Sie bleiben dem Firmensitz in Ihrer Heimat Montabaur, Rheinland-Pfalz, treu, anstatt ihn in eine Großstadt zu verlegen?

Dommermuth: Ja. Für United Internet arbeiten fünfeinhalbtausend Leute, ungefähr ein Zehntel davon in Montabaur. Weshalb sollte dieses Zehntel - im Wesentlichen die Holding - umziehen, wenn wir dort so erfolgreich sind? Im vergangenen Jahr haben wir rund 801 Millionen Euro Umsatz gemacht und das Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) um 18 Prozent auf 128,9 Millionen Euro gesteigert.

SPIEGEL ONLINE: Ihr Kurshoch von 50,90 Euro je United-Internet-Aktie von Anfang 2000 haben Sie aber nicht wieder erreicht - selbst heute liegt die Aktie mehr als einen Euro darunter. Wie lautet Ihr Kursziel?

Dommermuth: Einen konkreten Wert nennen wir nicht, aber die derzeitige Bewertung halten wir für sehr moderat. Was die Unternehmenszahlen betrifft, wollen wir dieses Jahr um zirka 50 Prozent wachsen: 1,2 Milliarden Euro Umsatz und mindestens 193 Millionen Euro beim Ebitda. Das ist unser Ziel, und zwar für das deutsche wie das ausländische Geschäft. Im Ausland wachsen wir stärker, aber von einer relativ niedrigen Basis aus. Von den 801 Millionen Euro Umsatz haben wir 144 Millionen Euro im Ausland gemacht. Insgesamt peilen wir an, dass die Zahl der Kundenverträge auf mehr als sechs Millionen steigt.

SPIEGEL ONLINE: Haben Sie auch die Wachstumsmärkte wie China und Indien im Auge, wo Sie bisher noch nicht aktiv sind?

Dommermuth: Wir sind gut aufgestellt, je nach Unternehmenstochter sind wir in bis zu zwölf Ländern vertreten. Aber wir haben keinen Masterplan, der sagt, dass wir dieses Jahr noch in diesem oder jenem Land aktiv werden wollen. China und Indien sind derzeit kein Thema.

SPIEGEL ONLINE: Woher soll das Wachstum dann - neben mehr Kundenverträgen - kommen?

Dommermuth: Zum Beispiel starten wir am 1. April mit Pocket Web, einem mobilen E-Mail-Gerät. Wir haben schon jetzt eine große Resonanz darauf: Jeden Tag lassen sich seit der Vorstellung auf der Cebit einige Hundert Leute registrieren, obwohl wir keine Werbung dafür machen. gmx, web.de und 1&1 zusammengenommen, haben wir im Konzern 56 Millionen E-Mail-Adressen. Die Kunden können ihr Account künftig mobil verwenden, nur mit einem Euro für das Gerät und 9,99 Euro Flatrate pro Monat viel billiger als mit einem Blackberry. Außerdem planen wir einen Einstieg ins Mobilfunkgeschäft, mit Vodafone beginnen wir auf Basis einer Vertriebspartnerschaft. Zudem wollen wir einen noch schnelleren Internetzugang anbieten, VDSL. Ich bin guter Dinge, dass hier eine Einigung mit der Deutschen Telekom zustande kommt.

Das Interview führte Hasnain Kazim



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