Universal Music im Angebot Apple und Microsoft zögern

Das Management der weltweit größten Plattenfirma Universal Music hat in den vergangenen Wochen offenbar verzweifelt versucht, einen Käufer für das Unternehmen zu finden. Die Computerhersteller Microsoft und Apple winken bisher ab - möglicherweise haben sie ein abschreckendes Beispiel vor Augen.

New York - Universal Musics (UM) Chairman Doug Morris und der einflussreiche Chef des Geffen A&M Plattenlabels Jimmy Iovine wollten sich nicht auf ihre Hände setzen und abwarten, bis der Musikkonzern ohne ihr Zutun verkauft wird. Einem Bericht des "Wall Street Journal" zufolge haben die beiden Manager in den vergangenen Wochen versucht, einen Käufer für UM zu finden. Damit wollten Morris und Iovine offenbar Jean-René Fortou zuvorkommen, dem Chef des französischen Mischkonzerns Vivendi Universal  , zu dem der Musikriese gehört.

Fortou, so das Kalkül der beiden, könnte UM an einen so genannten Corporate Raider veräußern, der das Unternehmen dann Gewinn bringend filetieren und weiterverkaufen würde. Dem Franzosen wird ohnehin unterstellt, er interessiere sich nicht für das Musikgeschäft und habe kein Verständnis für die kreativen Prozesse der Branche. Lieber wäre den UM-Chefs wohl ein origineller Kopf als Eigentümer - jemand wie Steve Jobs, der Vorstandsvorsitzende von Apple Computer  .

Apple Music?

Am Freitag hatte die "Los Angeles Times" berichtet, Jobs erwäge den Kauf der von Analysten auf etwa sechs Milliarden Dollar taxierten Musiksparte von Vivendi. Völlig unlogisch erschien das auf den ersten Blick nicht, denn Jobs ist bereits seit einiger Zeit in der Plattenindustrie unterwegs und spricht mit allen großen Unternehmen. Hintergrund ist, dass Apple laut "Journal" in wenigen Wochen einen Bezahldienst mit Musikdownloads für die Mac-Gemeinde anbieten will. Dieser werde mit der Musiksoftware iTunes funktionieren und einzelne Songs für etwa einen Dollar zum Download anbieten.

Dem "Journal" zufolge sind die Gespräche zwischen Apple und Universal Music jedoch ergebnislos verlaufen. Parallel sollen Morris und Co. auch mit dem Softwarekonzern Microsoft über ein Engagement bei UM gesprochen haben. Was aus diesen Gesprächen geworden ist, scheint bisher unklar.

Schuster, bleib bei Deinen Leisten

Die Börse hatte bereits am Freitag gezeigt, was sie von einer Lösung Apple + Universal hält: überhaupt nichts. Die Apple-Aktie gab mehr als acht Prozent auf 13,20 Dollar nach. Die Reaktion ist nachvollziehbar, denn was auf den ersten Blick Sinn macht, erweist sich bei genauerer Betrachtung als problematisch.

Erstens wäre die Akquisition für Apple mit erheblichen finanziellen Unsicherheiten behaftet. Apples Barreserven in Höhe von derzeit 4,4 Millairden Dollar wären futsch, nach dem Deal wäre das Unternehmen wohl ähnlich klamm wie Ende der Neunziger. Zweitens käme der Kauf von UM, die mehr Umsatz machen als der Computerhersteller, für Apple einem Kulturschock gleich. In den vergangenen Jahren hat das Unternehmen aus Cupertino immer nur kleine, leicht verdaubare Häppchen geschluckt - eine Milliardenakquisition wäre etwas völlig Neues.

Kannibalisierung ist bisher kein Thema

Drittens macht der hypothetische Deal bei genauerer Betrachtung sehr wenig Sinn: Um eine Musikplattform zu betreiben, braucht man keine Plattenfirma. Zudem ist Apple derzeit in der beneidenswerten Lage, mit dem MP3-Player iPod und der Software iTunes exzellente Hard- und Software für das Geschäft mit digitaler Musik im Angebot zu haben - ohne sich Gedanken um digitales Rechtemanagement machen zu müssen.

Wenn das Unternehmen eine große, eigene Musikbibliothek hätte, müsste es wesentlich vorsichtiger agieren. Das beste Beispiel dafür, wie schwierig es ist, gleichzeitig die eigenen Copyrights zu wahren, bietet der japanische Elektronikgigant Sony. Dem gelang es in den vergangenen Jahren, mit Produkten wie dem MiniDisc-Walkman oder dem Kleincomputer Clié, zahlreiche erfolgreiche digitale Gadgets auf den Markt zu bringen - das blieb allerdings nicht ohne negative Folgen. Während Elektronikprodukte inzwischen etwa die Hälfte von Sonys operativem Ergebnis ausmachen, blutet die Musiksparte des Konzerns langsam aus - Umsatz und Gewinn von Sony Music schrumpfen seit mehreren Quartalen.

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