Unsinnsarbeit-Studie Angestellte verschwenden 32,5 Arbeitstage pro Jahr

Zu viel Verwaltung, doppelte Arbeit, endlose Konferenzen - viele Büroangestellte kennen diese Art der täglichen Zeitverschwendung. Eine Unternehmensberatung hat versucht auszurechnen, wie groß der entstehende Schaden ist.


Frankfurt am Main – Die Verschwendung von Arbeitszeit sorge in Deutschland für einen Gesamtschaden von mehr als 170 Milliarden Euro im Jahr, schreibt die Unternehmensberatung Proudfoot in einer Produktivitätsstudie. Dies entspreche knapp acht Prozent des Bruttoinlandsproduktes und 32,5 Arbeitstage pro Person und Jahr.

Die Studie basiert auf rund 1900 Analysen, die Proudfoot-Berater in 235 Unternehmen in 30 Ländern erstellt haben. Außerdem befragten die Berater im April dieses Jahres 819 Führungskräfte aus 18 Ländern.

Weltweit würden rund 30 Prozent der geleisteten Arbeitszeit mit unproduktiven Tätigkeiten verschwendet, schreiben die Berater. Als Hauptgrund nannten sie mangelnde Führung. "Die Manager haben zu wenig Zeit, sich um die eigentlichen Führungsaufgaben zu kümmern", sagte Jochen Vogel, Leiter des Deutschland-Geschäfts von Proudfoot. "Und sie gehen zu selten in den Betrieb und sprechen mit den Mitarbeitern."

Außerdem bewirke unzureichende Planung und Erfolgskontrolle Unproduktivität. Oft wissen die Mitarbeiter laut Studie nicht genau, was ihre Aufgaben sind. Durch neue Managementmethoden wie individuelle Zielvorgaben und Ergebniskontrollen habe sich die Situation aber in den vergangenen Jahren verbessert.

Weitere Gründe für verschwendete Arbeitszeit liegen der Studie zufolge in schlechter Arbeitsmoral, unzureichender Ausbildung der Mitarbeiter, ineffektiver Kommunikation und in IT-Problemen. Mit Blick auf die Produktivitätshemmer sagte Berater Vogel, wenn Unternehmen ihre Wettbewerbsfähigkeit steigern wollten, gehe es nicht um Investitionen oder Verlagerungen in Billigländer. "Die Unternehmen müssen mit den Führungskräften und Mitarbeitern arbeiten."

In Deutschland habe sich die Produktivität zwar erhöht, es gebe aber noch keine Entwarnung. Vogel sagte: "Es ist leichter und weniger riskant, ein Werk in Deutschland in zwölf Monaten um 20 Prozent produktiver zu machen, als die Produktion nach Osteuropa oder Asien zu verlagern."

itz/AP



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