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Unter einem Regenschirm

aus DER SPIEGEL 6/1947

Der Regenschirm ist ein Symbol der

Vorsicht. Seit Chamberlain nach Godesberg und München flog, gilt das auch für die Politik.

Vielleicht hängt es mit den erfolglosen Versuchen des britischen Premiers zusammen, daß der Regenschirm in England in den letzten Jahren offensichtlich seine Popularität eingebüßt hat? Er steht zwar nicht auf der Kriegsverbrecherliste, war aber während des Krieges doch in Acht und Bann getan. Die Produktion der Regenschirme wurde eingestellt.

Wer das regenreiche Küstenklima Englands kennt, weiß, daß auch dies eine beachtliche Kriegsanstrengung war. Inzwischen haben sich die Gewitterwolken des Krieges (wenn man von dem gelegentlichen Wetterleuchten absieht) verzogen. Der Brite hat es nicht mehr nötig, seine Entschlossenheit durch den Verzicht auf den an. Vorsicht gemahnenden Regenschirm unter Beweis zu stellen.

Sir Stafford Cripps, den man nach deutschem Muster einen Handelsminister nennen könnte, ließ dieser Tage verkünden, »daß die Anfertigung und der Vertrieb von Regenschirmen nicht mehr an eine behördliche Genehmigung gebunden ist«.

Es darf also wieder regnen in »merry old England« - und man hofft, daß mit den Regenschirmen auch die oft zitierte gute alte Zeit wiederkommt.

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