Unter Palmen Kokain, Callboys - und ein toter Fondsmanager

Aus West Palm Beach berichtet

2. Teil: "Ein außergewöhnlicher Porno-Star"


In der Schwulenszene will man das Ehepaar Tobias gut gekannt haben. Gemeinsam hätten die beiden die Homo-Kneipe "Cupids" besucht, steckten Clubgäste der Presse. "Seth kam früher oft, als es noch wild war", sagte "Cupids"-Manager Adiel Hemingway der "New York Times", die ihren Starreporter Andrew Ross Sorkin persönlich an die Front geschickt hatte.

Ein weiterer Zeuge der Anklage - obwohl auch er nicht als der glaubwürdigste gilt - ist William ("Billy") Ash, der "persönliche Assistent" und "spirituelle Berater" des Ehepaars. Ash führte ein Nebengeschäft als Zuhälter und Chef eines Callboy-Rings, was ihm den Spitznamen "Mr. Madam" verschaffte. Im Verhör sagte er aus, Tobias sei schwul gewesen und die Ehe nur ein Arrangement. Er habe "viele Boyfriends" gehabt - darunter auch besagten "Tiger".

Doch "Tiger" verschwand von der Bildfläche. Die Polizei lud ihn vor; er erschien nicht. In seiner Callboy-Anzeige auf der Website Guys4Rent.com präsentiert er seinen "Schwimmerkörper" und das Tiger-Tattoo, das fast seinen gesamten Oberkörper bedeckt. "Tiger", heißt es in dem Inserat, "ist einer der außergewöhnlichsten Pornostars, den es in der Szene seit langem gegeben hat."

In Interviews mit Lokalzeitungen bot sich "Mr. Madam" Ash als Kronzeuge an: Phyllis Tobias habe ihm den Mord am Telefon gestanden. Die Polizei habe dieses Gespräch zwar nicht auf Band mitgeschnitten, dafür aber "Hunderte" andere zwischen ihm und Phyllis. Man müsse diese nur zusammensetzen, um die Wahrheit zu erkennen: "Wie ein großes Jigsaw-Puzzle."

Die Ermittlungen dauern an. Bisher hat die Polizei die Witwe offiziell keines Vergehens beschuldigt. Es wurde kolportiert, dass man in der Villa weißes Puder sichergestellt habe, nebst einem Strohhalm und leeren Pillenflaschen. Ferner seien Patientenunterlagen aus der Apotheke beschlagnahmt und Phyllis' beste Freundin verhört worden. Der beste Freund ihres toten Mannes sagte aus, er habe Tobias in all den Jahren, die sie sich kannten, nie freiwillig in einen Swimmingpool steigen sehen.

Circle T hat nun begonnen, den Investoren des Fonds, der von Tobias verwaltet wurde, ihre Einlagen zurückzuzahlen. Insgesamt handelt es sich um rund 80 Millionen Dollar. Der Rest der Hedgefonds-Firma soll von den anderen Partnern weitergeführt werden.



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