Warnstreiks der IG Metall "Wir werden hier nicht lockerlassen"

Im Tarifstreit der Metall- und Elektroindustrie beharrt die IG Metall auf einer Flexibilisierung der Arbeitszeiten. Doch die sollte nach Vorstellung der Arbeitgeber in beide Richtungen gelten.
Jörg Hofmann

Jörg Hofmann

Foto: Monika Skolimowska/ dpa

In den Tarifverhandlungen der Metall- und Elektroindustrie fordern die Arbeitgeber ein Entgegenkommen der IG Metall. Gesamtmetall-Präsident Rainer Dulger zeigte sich in der "Süddeutschen Zeitung" bereit, mit der Gewerkschaft über eine weitere Flexibilisierung der Arbeitszeiten zu sprechen. Dann müsse es bei den Arbeitszeiten aber nicht nur nach unten, sondern auch nach oben gehen können. "Wenn Beschäftigte länger arbeiten dürfen, können wir auch darüber reden, wie Einzelne weniger arbeiten können."

Die IG Metall will neben einer kräftigen Lohnsteigerung für die bundesweit fast vier Millionen Beschäftigten der Branche ein Recht auf individuelle Arbeitszeitverkürzung auf bis zu 28 Wochenstunden durchsetzen. Wer wegen der Pflege von Angehörigen oder der Kinderbetreuung kürzertritt, soll einen monatlichen Ausgleich erhalten.

Dies lehnen die Arbeitgeber strikt ab. Sie führen an, dass bis zu 200.000 zusätzliche Arbeitskräfte nötig würden, sollte in großem Stil von weiteren Arbeitszeitverkürzungen Gebrauch gemacht werden. Zusätzliche Mitarbeiter seien wegen des Fachkräftemangels aber kaum zu finden. "Das, was die IG Metall uns auf den Tisch legt, das gefährdet eben die Arbeitsplätze und ist nicht im Sinne der Menschen", sagte Südwestmetall-Chef Stefan Wolf im ARD-"Morgenmagazin".

Animation: Die Forderung nach der 28-Stunden-Woche

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Die IG Metall machte vor der am Donnerstag in Baden-Württemberg anstehenden dritten Gesprächsrunde mit den Arbeitgebern klar, dass sie an ihren Forderungen festhält. Gewerkschaftschef Jörg Hofmann forderte die Gegenseite auf, ihre Vetohaltung aufzugeben und mit der IG Metall auch über einen teilweisen Lohnausgleich für bestimmte Arbeitnehmergruppen zu sprechen. "Wir werden hier nicht lockerlassen, über das Wie können wir reden", sagte Hofmann.

Bei den Löhnen rechnet der Gewerkschaftsboss mit einer "ordentlichen" Erhöhung. Die Gewinne der Unternehmen im vergangenen Jahr hätten genügend Verteilungsspielraum geschaffen, der keine Investitionen verhindern werde. Angesichts eines Dividendenanstiegs für die Aktionäre von zehn bis 15 Prozent im vergangenen Jahr sei die Tarifforderung der Gewerkschaft von sechs Prozent mehr Geld angemessen.

Warnstreiks werden ausgeweitet

Um den Druck für ihre Forderungen zu erhöhen, will die IG Metall die Warnstreiks im Südwesten erneut deutlich ausweiten und rechnet mit einer Rekordbeteiligung. Tausende Metaller bundesweit sind aufgerufen, ihre Arbeit vorübergehend niederzulegen, während in Böblingen bei Stuttgart vom frühen Nachmittag an weiter verhandelt wird.

Hofmann hatte am Mittwoch bereits mit einer weiteren Eskalation gedroht, falls sich die Arbeitgeber bis Ende Januar nicht bewegen sollten. "Dann sehen wir, ob es Sinn macht, weiter zu verhandeln, ob es ganztägige Warnstreiks geben wird oder gleich die Urabstimmung über Flächenstreiks", hatte Hofmann gesagt. Bundesweit arbeiten rund 3,9 Millionen Menschen in der Metall- und Elektroindustrie.

dab/dpa
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