Coronakrise 60 Prozent der Gastronomiebetriebe bangen um Existenz

Bei Restaurants, Bars und Hotels droht wegen der Coronakrise eine Insolvenzwelle: Mehr als die Hälfte aller Betriebe fürchtet laut einer Umfrage das Aus.
Leere Restauranttische in Dresden: "Lage in vielen Städten katastrophal"

Leere Restauranttische in Dresden: "Lage in vielen Städten katastrophal"

Foto: Robert Michael/dpa-Zentralbild/dpa

Wochenlang durften sie keine Gäste empfangen, inzwischen sind Restaurants, Cafés und Hotels wieder geöffnet. Dennoch bangen zahlreiche Gastronomiebetreiber wegen der Coronakrise um ihre Existenz. In einer Umfrage des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (Dehoga) gaben rund 60 Prozent der teilnehmenden Betriebe an, ums wirtschaftliche Überleben zu kämpfen.

Die Umsätze liegen demnach weit unter den Vorjahreswerten, für das Gesamtjahr rechnen die Betriebe mit einem Rückgang von im Schnitt mindestens 51 Prozent. Für die Umfrage befragte der Verband vom 3. bis 10. August 7200 Gastronomen und Hoteliers.

Demnach beklagten die Betriebe für die Zeit vom Januar bis Juli durchschnittliche Umsatzverluste von 60 Prozent. Besonders dramatisch fiel das Minus dabei mit 87 Prozent im April aus.

Dass auch für den weiteren Jahresverlauf trotz der Wiederöffnung Umsatzverluste erwartet werden, liegt laut Dehoga unter anderem an den Corona-bedingten Vorschriften. Aufgrund der Abstandsgebote sei die Kapazität der Betriebe um durchschnittlich 42 Prozent eingeschränkt.

Zugleich sei das aktuelle Bild in der Branche "sehr heterogen", sagte Dehoga-Präsident Guido Zöllick. "Während die Restaurants und Hotels in den Urlaubsregionen Zuversicht schöpfen, ist die Lage der Betriebe in vielen Städten weiter katastrophal." Touristen aus dem Ausland und vor allem Geschäftsreisende fehlten; Messen, Kongresse und Tagungen fänden immer noch nicht statt. Sämtliche damit verbundene Hotel- und Gastronomieumsätze fielen aus. Das sei fatal, insbesondere für Businesshotels und Eventcaterer.

Besonders dramatisch stelle sich auch die Lage bei den Diskotheken und Klubs dar, für die es immer noch keine Öffnungsperspektive gebe, sagte Zöllick: "Die Verzweiflung der Unternehmer wächst von Tag zu Tag. Die Betriebe wissen nicht, wie sie durch die Krise kommen können und befürchten ein massives Disco- und Klubsterben."

Um eine "Pleitewelle ungeahnten Ausmaßes zu verhindern", fordert der Verband eine Verlängerung der Kurzarbeitergeldregelung, eine dauerhafte statt wie bislang auf ein Jahr befristete Mehrwertsteuersenkung für die Branche mit Einbeziehung der Getränke, eine Verlängerung der Überbrückungshilfen sowie eine gesetzliche Regelung zur Corona-bedingten Pachtminderung. "Denn die Krise ist noch längst nicht vorbei", sagte Zöllick. "Die Angst vor dem Winter ist groß."

fdi/AFP
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