Nach 737-Max-Abstürzen US-Unfallermittler kritisieren Boeing und Flugaufsicht

Die Freigabe der Boeing 737 Max nach den Abstürzen in Indonesien und Äthiopien kann länger dauern: Ermittler kritisieren den Hersteller und die Flugaufsichtsbehörde. Diese sieht noch viel Arbeit vor sich.

Testflug einer 737 Max
AP

Testflug einer 737 Max


Der Flugzeughersteller Boeing soll nach den beiden Abstürzen von Maschinen des Typs 737 Max die Schulung von Piloten für Notfälle im Cockpit erheblich verbessern. Das fordert die US-Verkehrssicherheitsbehörde NTSB. "Wir haben bei den beiden Unfällen gesehen, dass die Crews nicht so reagierten, wie Boeing und die FAA annahmen", sagte Behördenchef Robert Sumwalt.

Bevor die Flugaufsichtsbehörde FAA die Maschinen wieder abheben lasse, müsste genau ausgewertet werden, wie Piloten auf eine Fehlfunktion des Stabilisierungssystems MCAS reagieren könnten. Das teilte NTSB-Direktorin Dana Schulze in Washington mit.

Bei der Zertifizierung müsse die Schnittstelle zum Menschen stärker beachtet werden, hieß es. Maschinen reagierten auf gleiche Bedingungen immer gleich. "Menschen sind nicht so. Wir bitten die FAA nur, diesen Faktor bei der Zertifizierung von Flugzeugen wissenschaftlicher zu berücksichtigen."

Tests laut NTSB unzureichend

Ein Versagen des Sicherheitssystems MCAS, das bei drohendem Strömungsabriss die Nase eines steigenden Flugzeugs senkt, gilt als Ursache der beiden Flugzeugkatastrophen in Indonesien und Äthiopien mit insgesamt 346 Todesopfern. Es schaltete sich fehlerhaft ein und ließ sich durch die Piloten nicht stoppen.

Seit März gilt weltweit ein Flugverbot für Maschinen dieses Typs, die Produktion ist ausgesetzt. Boeing muss das meistverkaufte neue Modell mit einem Softwareupdate und anderen Änderungen überholen, damit die 737 Max wieder abheben dürfen.

Die Versuche mit Testpiloten im Simulator hätten aber nicht alle Warnungen und Anzeichen für ein Versagen des MCAS berücksichtigt, bemängelte die NTSB. Das hätte die Behörde unabhängig von den konkreten Fällen der abgestürzten Maschinen festgestellt. Der Aufsicht zufolge müssten Flugzeugzertifizierungen weltweit unter diesem Gesichtspunkt verbessert werden.

Die FAA teilte mit, diese Empfehlungen sorgfältig prüfen zu wollen. "Wir haben noch viel zu tun", sagte Dan Elwell, Vizechef der FAA, bei einer Anhörung im Kongress. Es steht noch nicht fest, wann Boeing den entscheidenden Zertifizierungs-Testflug absolvieren kann.

Nach diesem bräuchte die FAA noch einen Monat für eine Freigabe. Die europäische Flugsicherheitsbehörde EASA will zusätzlich selbst die Zertifizierung überprüfen. Bisher übernahmen die FAA und EASA ihre Zulassungen für Boeing- und Airbus-Maschinen gegenseitig.

brt/Reuters/dpa

insgesamt 15 Beiträge
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Möve17 26.09.2019
1. Produktion ausgesetzt?
"Seit März gilt weltweit ein Flugverbot für Maschinen dieses Typs, die Produktion ist ausgesetzt." Ist das so? Gibt es dafür eine Quelle?
Nonvaio01 26.09.2019
2. es waehre logisch
Zitat von Möve17"Seit März gilt weltweit ein Flugverbot für Maschinen dieses Typs, die Produktion ist ausgesetzt." Ist das so? Gibt es dafür eine Quelle?
denn wenn man noch nicht weiss was der fehler ist, macht es wenig sinn weiter flieger zu bauen.
gammoncrack 26.09.2019
3. Ich bin echt gespannt, wann der erste
Forist kommt, der dann schreibt: "Ich fliege nur noch mit Fluggesellschaften, die mir garantieren, dass ich nicht mit einer 737 MAX fliege."
toll_er 26.09.2019
4. Bitte?
"Wir bitten die FAA nur, diesen Faktor bei der Zertifizierung von Flugzeugen wissenschaftlicher zu berücksichtigen." Kriecherischer kann man kaum daher kommen.... das zeigt doch, wen Boeing alles in der Tasche hat.
dirkcoe 26.09.2019
5. Lohnt das noch?
Welche Airline will denn riskieren, das ihr die Passagiere weglaufen, wenn sie diese Fehlkonstruktion einsetzt? Das Vertrauen ist bei Null - damit ist dieser Flieger doch nicht mehr einsetzbar. Boeing sollte sich von den Dingern verabschieden und endlich was Neues konstruieren.
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